Lassen Sie uns über Geld reden: chilli-Interview mit dem DJ, Musiker und Veranstalter Thomas Grigat

Nach der „Zündenden Geschäftsidee“ und den „Letzten ihrer Art“ startet das chilli in dieser Ausgabe auf den Wirtschaftsseiten die neue Reihe „Lassen Sie uns über Geld reden“. Hier kommen künftig in Interviews aber in erster Linie nicht die üblichen Verdächtigen (Banker, Geschäftsführer, Vorstände) zu Wort, sondern vor allem Künstler, Freiberufler oder Arbeiter. Den Anfang mach DJ Thomas Grigat, der natürlich über Geld, aber auch über Freiburg und das Älterwerden spricht.

chilli: Herr Grigat, lassen Sie uns über Geld reden.
Grigat: Oh Gott. Mit mir?

chilli: Wie lebt es sich denn als freiberuflicher Einzelkämpfer in Sachen Rock’n’Roll? Wird man reich und berühmt durch Marketing und Promotion im Veranstaltungsbereich?
Grigat: Ich lebe ohne Netz und doppelten Boden. Und auch nicht auf großem Fuß. Immerhin habe ich zwei Fahrräder, nächstes Frühjahr soll ein Schwalbe-Moped hinzukommen.

chilli: Eigentlich sind Sie ja Zimmermann …
Grigat: Zumindest habe ich eine entsprechende Lehre abgeschlossen, deswegen kam ich 1992 von Hessen nach Freiburg. Danach habe ich auf dem Bau gejobbt und die ganze Kohle in Platten gesteckt. 2500 sind es mittlerweile. Die heißeste Scheiße auf Vinyl, sage ich Ihnen: Country, Soul, R’n’B, Punk …

chilli: Lieber Musik als Maloche?
Grigat: Das mit dem Bau habe ich im Interesse des Handwerks und der Kunden schließlich gelassen. Auch mein Studium der historischen Anthropologie habe ich nicht wirklich beendet, dabei war das Thema ziemlich schick. Dafür kam die Musik. Ich ging Mitte, Ende der 1990er mit der Surf-Band Leopold Kraus Wellenkapelle auf Tour und nahm zwei Alben, zwei EPs und zwei Singles auf. Zu dieser Zeit entstand dann auch der Künstlername „Torpedo Tom“. Parallel dazu fing die Sache mit dem Auflegen und dem Veranstalten von Partys an.

chilli: Lohnt sich das Tingeln mit einer Band durch kleine Clubs?
Grigat: Da wir mit dem Etikett „Tarantino-Band“ versehen wurden, kamen bei den Auswärtsspielen überall in Deutschland auch einige Leute. Gezahlt hat ebenfalls die GEMA. Einmal war plötzlich ein netter vierstelliger Betrag auf dem Konto, dabei hätte ich eigentlich pleite sein sollen. Ich dachte zuerst, das wäre ein Irrtum.

Verläuft sich immer in Großstädten:
Thomas Grigat gibt auch heute noch viel Geld für neue Platten aus.



chilli: Wurde die Wellenkapelle so oft im Radio gespielt?
Grigat: Nein, im Fernsehen. Surfmusik ist instrumental und eignet sich prima zur Untermalung von Sendungen, zum Beispiel für türkische Kochsendungen auf RTL II, einen ZDF-Beitrag übers Campen am Bodensee oder eine DSF-Sendung über Funsport. Gerade ist es ein wenig ruhig geworden um die Band, aber wir proben inzwischen wieder.

chilli: Gab es für Sie einen Karriereplan?
Grigat: Nein, es hat sich alles entwickelt. Als wir einmal 10 Mark Eintritt im Rattenspiegel für ein Konzert verlangten, war mir das sogar peinlich vor meinen Freunden. Mit dem Auflegen habe ich in der alten KTS auf dem Vauban angefangen, das war damals eine interessante Szene. Der Schritt zur Professionalität kam 2004 mit dem Beat Salon in der Jackson Pollock Bar, wo wir die Freitage organisiert haben. Da sind auch die eigenen Ansprüche gewachsen, wie eine Veranstaltung durchgeführt werden soll – von der Einteilung der Türsteher über die DJs bis hin zur Werbung im Vorfeld.

chilli: Kam etwas rüber?
Grigat: Je nach Abend waren es zwischen 200 und 600 Euro – für einige Tage Arbeit.

chilli: Wie haben Sie sich versichert?
Grigat: Früher war ich Student, heute bin ich als Kulturschaffender in der Künstlersozialkasse.

chilli: Sparen Sie?
Grigat: Nein, ich gebe nach wie vor alles für Platten aus.

chilli: In 15 Jahren? Machen Sie da immer noch Party für Leute, die fast Ihre Enkel sein könnten?
Grigat: Man ist nie zu alt für Rock’n’Roll. Sicher, eigentlich sollte ich schon jetzt mit Kleinfamilie auf dem Vauban wohnen. Man weiß nie, was noch kommt. Heute kann ich viele Sachen wie Licht- und Tontechnik oder Graphik, ein Bürojob bei einem Veranstalter wäre auch denkbar.

chilli: War Freiburg nie zu klein für Sie?
Grigat: Doch, früher wollte ich unbedingt nach Hamburg. Auch weil man in einer großen Stadt im Nachtleben als Älterer kein Exot ist. Aber ich musste mir eingestehen: Ich bin doch eine Provinznase. In Freiburg ist es einfach, vorne zu sein. Hier ist die Konkurrenz gering. In Hamburg wäre ich nur einer unter vielen. Außerdem verlaufe ich mich immer in Großstädten.

Text: Dominik Bloedner / Foto: Privat

Info:
Thomas Grigat, 40, ist eine schillernde Figur im Freiburger Nachtleben. Er spielt in der Wellenkapelle Leopold Kraus die Orgel und schreibt die meisten Stücke, als DJ und Organisator hat er sich als Torpedo Tom zusammen mit Carla Commodore (mittlerweile in Berlin) mit dem Beat Salon in der Jackson Pollock Bar (2004–2008) einen Namen gemacht. Grigat organisiert zweimal jährlich die Plattenbörse im Haus der Jugend, legt vielerorts auf und kümmert sich als Programmgestalter im Räng Teng Teng um alles – von der Werbung über die Technik und die schicken Möbel aus den 1960er Jahren bis zum frisch gezapften Bier.