Laue Sommernächte, mitreißende Filme, volle Sitzreihen: Wenn das Freiburger Filmfest so abläuft, ist Organisator Ludwig Ammann zufrieden. Genauso gut kann das Event durch Regen und Publikumsmangel ins Wasser fallen. Schlaflose Nächte hat Ammann aber wegen ganz anderer Dinge. Welche, verrät er dem chilli bei einem Einblick in die heiße Planungsphase.

Organisator des Freiburger Filmfests: Ludwig Ammann.

 

Ludwig Ammann reibt sich die Augen. Gerade erst ist er in Deutschland gelandet, abends will er weiter nach München. Die Zeit zwischendurch reiche aber für das traditionelle chilli-Filmfest-Interview, hat der 52-Jährige per E-Mail versichert. Doch es kommt anders. „Ich habe bis zuletzt am Programm gearbeitet“, sagt der Festival-Organisator. Mit anderen Worten: Er hat den Interview-Termin vergessen.

Nein, er sei nicht vorbereitet, entschuldigt sich Ammann. Er ist müde, aber seine Augen leuchten: „Manchmal lieben wir Stress“, sagt er und meint damit sich, Michael Wiedemann und Michael Isele. Das Trio betreibt gemeinsam die Freiburger Programmkinos Friedrichsbau, Harmonie und Kandelhof. Entschuldigend fügt er hinzu: „Ich habe gerade nur das Festival im Kopf.“ Womit er den Nagel auf den Kopf trifft: Ammann braucht keine Vorbereitung, um über das Filmfest zu reden – er ist das Filmfest.

Frage eins: Wie entsteht ein solches Event? „Mit einer Liste“, sagt Ammann. Auf ihr notieren sich die Cineasten das ganze Jahr über, welche Filme infrage kommen. Inspirieren lassen sie sich dabei auf anderen Festivals, auf denen sie so lange Filme schauen, bis die Augen brennen. „Wenn das Publikum zwischendurch applaudiert, wird’s ein Hit“, weiß das Experte. So geschehen etwa beim norwegischen Comedy-Drama „Kraftidioten“, das auf dem diesjährigen Filmfest gezeigt wird. „Im Februar hat bei der Berlinale der Saal getobt. Das war das Signal.“

Am 1.8. um 21.30 Uhr im Mensagarten: Kraftidioten.

 

Rückt ein Film in die nähere Auswahl, folgen die Detailfragen: Kommt er rechtzeitig? Wird eine komplette oder eine gekürzte Fassung angeliefert? Hat ein deutscher Verleih die Rechte? „Ansonsten können wir es vergessen“, sagt der Organisator. „Das wäre unbezahlbar.“ Schließlich müsse man die Veranstaltung komplett ohne Fördermittel stemmen (mit Ausnahme des Mensagartens, den das Studentenwerk kostenlos zur Verfügung stellt).

Sobald das grobe Programm steht, rückt das Drumherum in den Mittelpunkt: Wann wird der Film geliefert? In welcher Sprache? Und welche Gäste würden dazu passen? „Viele lassen sich Zeit, bevor sie antworten“, sagt Ammann, „dann müssen wir ganz zum Schluss noch Einträge ins Programmheft kloppen.“ Diesmal hat er sich um Volker Schlöndorff bemüht – leider vergebens.

Auch die Filme sind nicht immer leicht zu bekommen. „Am besten geht es noch bei denen, die hinterher sowieso ins Kino kommen.“ Bei DVD- oder TV-Produktionen werde es schwieriger. Und dann ist da natürlich noch das Tagesgeschäft. Das trotz aller Festival-Euphorie weiterlaufen muss. Deshalb reist Ammann nach dem Interview weiter nach München, wo er für 25.000 Euro den Thriller „Sag nicht, wer du bist“ synchronisieren lässt. Beim Filmfest wäre das eher unerwünscht. „Da leben wir von den Originalen. Die schaffen eine ganz besondere Atmosphäre.“

Das 11. Freiburger Filmfest findet vom 24. Juli bis 3. August statt. Vorführungsorte sind der Mensagarten, das Friedrichsbau- und das Harmonie-Kino.
Eintritt: Vorstellungen im Mensagarten kosten 7,50 Euro (ermäßigt 6,50 Euro); in den Kinos gelten die regulären Preise, aber kein Kinotag. Zudem gibt es 5er-Karten (30 Euro) und 10er-Karten (50 Euro).
Weitere Informationen: Das Programm steht online unter www.filmfest-freiburg.de

Text & Foto: Steve Przybilla