Handwerk, das sich nicht von Grenzen beschränken lässt, sondern an einem gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt baut. Die Handwerkskammern (HWK) Freiburg und Padua haben dafür einen ersten Schritt gemacht, indem sie jungen Italienern, die in ihrer Heimat aufgrund der wirtschaftlichen Lage keine Arbeit finden, eine Ausbildung in Freiburg vermitteln. Doch nicht nur die Italiener können vom deutschen Handwerks-Know-How profitieren – das funktioniert natürlich auch andersherum. Wie genau, das zeigt etwa die Fondazione Villa Fabris. Die Stiftung hat im italienischen Thiene ein Ausbildungszentrum auf internationaler Ebene etabliert. Hier lernen junge Handwerker aus aller Welt gemeinsam das Restaurationshandwerk.

 

Villa Fabris im Veneto

 

Zu restaurieren gibt es in der Villa Fabris genügend: Die Villa aus dem 17. Jahrhundert ist in den 90er Jahren in den Besitz der Gemeinde Thiene gekommen, begehbar war die verfallene Villa zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht mehr. Neun Jahre haben die Arbeiten gedauert, 3,5 Millionen Euro sind seitdem in die Sanierung des 2.600 qm großen Gebäudes geflossen.

 

Die Malereien und Skulpturen in der historischen Villa dienen heute rund zwanzig jungen Handwerkern – die hier ein dreimonatiges Seminar besuchen – zur Übung. Knapp die Hälfte von ihnen kommt aus Deutschland, unter ihnen die Schreinerin Sandra Schönmann. Die 25-Jährige aus Aschaffenburg will sich hier ein Fachwissen erwerben, das über das hinausgeht, was sie an ihrem Arbeitsplatz in der Denkmalpflege in Deutschland lernen kann. Bereits ihre Chefin sei vor 28 Jahren bei Venedig ausgebildet worden und möchte, dass auch ihre Mitarbeiterin lernt, wie man traditionelle Restaurationstechniken und modernes Know-How miteinander verbindet.

 

IMG_9916

 

Auch wenn das Restaurationshandwerk durch moderne Techniken heutzutage im Wandel ist, das Gefühl, hier ein ausstrebendes Handwerk zu erlernen, hat keiner der Restauratoren. „Natürlich kann man heute mit dem Computer schneller und günstiger zum gleichen Ergebnis kommen“, erläutert der 27-jährige Steinmetz Timo Schwinn anhand einer von ihm nachgebildeten Vase, für deren feine Steinmetzarbeiten er eine ganze Woche gebraucht hat. „Das ist ein Wandel, den Handwerker in unserem Alter alle mittragen müssen.“ Doch müsse man für den Einsatz von neuen Techniken erst einmal die Wurzeln kennen und die traditionellen Methoden beherrschen.

 

 

IMG_9913

 

Eine Auffassung, die auch die Freiburger Handwerkskammer teilt. Hauptgeschäftsführer Johannes Burger nutzt den Besuch der Stiftung daher gleich, um eine Kooperation zu vereinbaren: Der beste Junggeselle der Kammer soll die Möglichkeit erhalten, sich bei einem Kurzseminar in der Villa Fabris weiterzubilden. Ein vom HWK-Präsidenten Paul Baier gestifteter Förderpreis von 3.000 Euro wird das möglich machen.