Von wegen Fahrradstadt: In der Landeshauptstadt des Verbrechens, wie Freiburg alljährlich nach Veröffentlichung der Kriminalstatistiken genannt wird, pfeifen Diebe auf den guten Ruf und klauen durchaus auch mal Autos. Etwa 90 wurden in den vergangenen Jahren im Schnitt in und um die Breisgau-Metropole gestohlen – fast zwei pro Woche. Im Bundesvergleich ist des Deutschen liebstes Kind rund ums Münster allerdings gut aufgehoben: In einer neuen Studie des Online-Portals Geld.de erhielt die Stadt das Prädikat „sicher“. Da zuckt Ralph Kollinger, Chef der gleichnamigen Auto-Gruppe, nur die Schultern. Bei ihm ist Mitte November ein nagelneuer Range Rover Evoque vom Firmengelände an der Bötzinger Straße gestohlen worden. „Wir haben nun rund um die Uhr einen Wachdienst und unsere Videoüberwachung ausgeweitet.“

 

 

Von wegen Brechstange: heute rücken professionelle Banden mit Hightech an.

Von wegen Brechstange: heute rücken professionelle Banden mit Hightech an. Bild: dpa.

 

Gerade in der bevorstehenden Weihnachts- und Neujahrszeit müssen Autohändler verstärkte Sicherheitsmaßnahmen ergreifen: An Feiertagen machen Autodiebe nämlich Überstunden. Wenn dann das Fehlen eines KFZ erst Tage später bemerkt wird, ist es schon zu spät. „Die meisten Fahrzeuge werden sofort außer Landes gebracht, die Fahrzeugnummer wird geändert, nicht selten werden aus Zulassungsstellen Blankoformulare geklaut, um dem Wagen dann eine neue Identität zu verpassen“, berichtet Polizeisprecherin Jenny Jahnz von der Einbahnstraße, die geklaute Autos ab der Tat nehmen.

 

Zuletzt wurden in Freiburg am Tag vor Allerheiligen zwei SUVs aus Autohäusern auf der Haid geklaut. Nur wenige Tage später verschwanden zwei weitere Sport Utility Vehicles in derselben Gegend. Laut Jahnz sind 80 Prozent der Autodiebstähle der organisierten Bandenkriminalität zuzuordnen. „Die Täter haben eindeutig Insiderkenntnisse, ansonsten könnten sie die modernen Sicherungen in den Fahrzeugen gar nicht umgehen.“ Geklaut würden, wie auch im jüngsten Fall, der stark nach einer Serie riecht, zumeist teure Autos. „Kommt irgendwo ein weniger hochwertiges Auto weg, wird das nicht selten benutzt, um damit eine andere Straftat zu begehen“, erklärt die Polizeisprecherin. Sogenannte Homejacking-Fälle, bei denen Wohnungseinbrecher die vor Ort gefundenen Autoschlüssel als Einladung für ein günstiges Fluchtmittel verstehen, fallen per Definition nicht in den Bereich des PKW-Diebstahls. Allerdings sei auch diese Form des „One-Way-Car-Sharings“ bei der Polizei kein unbekanntes Phänomen.

 

Zwar werden mit durchaus hoher krimineller Energie in Freiburg und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald wöchentlich zwei Autos geklaut, andernorts in Deutschland kann man über solche Zahlen aber wohl nur lachen. Etwa in Berlin, wo 2012 fast 6000 Autodiebstähle gemeldet wurden. Am unsichersten parkt man allerdings in Frankfurt an der Oder. Dort verschwinden jährlich 844 von 100.000 angemeldeten Kraftfahrzeugen – in Freiburg sind es laut dieser Rechnung gerade einmal 74.

 

Text: Felix Holm