Die Entscheidung fällt schwer: Soll man lieber auf den Teller schauen, wo ein hellgrünes Melonensorbet eben über hellrosa Lachstartar zerläuft, oder doch lieber auf die Bühne, wo ein Mann in weißem Nadelstreifenanzug einen Stuhl auf den nächsten türmt, um anschließend auf dem wackeligen Gebilde dicht unter der Zeltspitze einen Handstand zu wagen? Sich nur auf eines zu konzentrieren, wäre im Teatro Colombino tatsächlich schade, denn die Dinnershow im Freiburger Colombipark begeistert sowohl mit einer hervorragenden Küche als auch mit spannenden Showeinlagen und einer gemütlichen Spiegelzeltatmosphäre.

 

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„Ihr Menü heute Abend“, führt Kellner Maurice mit französischem Akzent in den Abend ein, „zunächst gibt es den ersten Gang, gefolgt vom zweiten, dann wird es einen dritten Gang geben und den krönenden Abschluss macht der vierte Gang.“ Wie gut, dass es neben Maurice und dem Monsieur Le Maitre, die mit Jonglage und kleinen komödiantischen Einlagen begeistern, auch noch ernstzunehmendes Servicepersonal gibt. Und so wird der erste Gang dann doch noch aussagekräftiger vorgestellt, und zwar als Lachstartar mit wilder Garnele an Erbsen– und Kürbispüree.

 

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Weiter geht es mit einem schaumigen Selleriesüppchen, in dem eine Kräuterseitlingsravioli schwimmt – alles so toll abgeschmeckt, dass man nicht nur dem Rezeptschreiber Alfons Schuhbeck höchsten Respekt zollen muss, dessen Name in großen Lettern auf der Karte prangt, sondern auch den Köchen, die hinter den Kulissen die aufwändigen Gerichte zubereiten.

 

Was zwischen den einzelnen Gängen passiert, steht dem Gaumenschmaus in nichts nach: Das Programm ist eine gelungene Mischung aus Humor, Spannung, musikalischer Unterhaltung und Nervenkitzel. Humor, wenn etwa der „große Magier“ alias der Wolf von Cantaloup mit Zaubertricks durch den Abend führt, die gewollt so durchschaubar sind, dass man dafür höchstens dem zehnjährigen Neffen noch Applaus zollen würde. Spannung, wenn sich dann doch der ein oder andere Trick dazwischengesellt, bei dem den Zuschauern der Mund offen stehen bleibt. Musikalische Unterhaltung, für die nicht nur die Pianistin im Hintergrund sorgt, sondern auch der Zigeunerbaron Zoran mit seinem „Flaschenklavier“. Und all das noch ergänzt durch lustige Trapezkunst, biegsame Schlangenfrauen oder Balljonglage mit Hand und Fuß.

 

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Der Nervenkitzel folgt dann nach dem Hauptgang, der mit auf dem Punkt gebratenem Hirschrücken, Polenta und Zwiebelconfit für einen erneuten kulinarischen Höhepunkt sorgt: Die beiden reisenden Russen „The Meleshines“ balancieren auf einem Brett, das sie über eine Rolle gelegt haben. So weit so unspektakulär, würden sie damit auf sicherem Boden anstatt auf einem schmalen Tischchen balancieren, und würde nicht der eine dem anderen plötzlich samt zwei weiteren Brettern und einer zusätzlichen Rolle auf den Kopf steigen. So sind den Zuschauern in der ersten Reihe ihre Zweifel vom Gesicht abzulesen, ob statt des Desserts nicht gleich die beiden waghalsigen Künstler auf ihren Tellern landen werden. Doch „The Meleshines“ sind Profis und so schließt der Abend wie geplant mit einer Mokka-Schokoladenschnitte an Quittenragout und Mandeleis.

 

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Info: Teatro Colombino

bis 11. Januar 2014,

Colombipark Freiburg

Showbeginn: Mo.–Sa. 19 Uhr,

Sonn- und Feiertags 18 Uhr

Tickets: 0 18 05/59 91 13

 

 

Text: Tanja Bruckert / Bilder: Teatro Colombino

 

 

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