Gutes Benehmen ist ihr Geschäft: Die Freiburgerin Betül Hanisch gibt Knigge-Kurse für Geschäftsleute und Angestellte. Seit 2006 zeigt und erklärt die gebürtige Breisacherin Menschen aus verschiedensten Business-Bereichen, wie man sich bei Geschäftsessen zu benehmen hat, wer wem das „Du“ anbieten darf und welche Kleidung wann angemessen ist. chilli-Redakteur Felix Holm hat sich von der ehemaligen Flugbegleiterin in die Welt der guten Manieren einweisen lassen.

Betuel_Hanisch

 

chilli: Frau Hanisch, reagieren Menschen in Ihrer Gegenwart oft unsicher, weil sie Angst haben, sich falsch zu benehmen?
Hanisch: Fast alle. Auch Geschäftskunden – die fragen mich nie, ob wir mal ein Geschäftsessen machen wollen, wahrscheinlich, weil beim Essen viele Fettnäpfchen lauern. Nie zum Essen eingeladen zu werden, ist eine der traurigen Seiten meines Jobs (lacht).

chilli: Wie ist’s im Privatleben?
Hanisch: Die meisten Menschen aus meinem Umfeld bemühen sich in meiner Gegenwart sehr um gutes Benehmen. Mein Mann zieht dabei allerdings manchmal die schlechtere Karte. Wenn er Freunden von uns die Hand entgegenstreckt, sagen die: „Ladys first!“ Das ist aber auch ein Fettnapf: Immer wenn einem jemand die Hand entgegenstreckt, muss man das erwidern.

chilli: Was ist der häufigste Fehler?
Hanisch: Das Duzen. Viele denken, dass „Sie“ stünde einem im Weg und fangen einfach damit an. Das darf man nicht. Die meisten nehmen das dann einfach so hin, sitzen hinterher aber in meinen Kursen und beschweren sich. Ich empfehle, beim „Sie“ zu bleiben, bis der Ranghöhere das Du anbietet.

chilli: Apropos Ranghöhere – buchen die auch die Kurse?
Hanisch: Ja. Die kommen zum Beispiel, weil sie sich nicht ernst genommen fühlen oder weil sie einfach mehr Wirkung erzielen wollen. Dann helfe ich mit Einzelcoachings, in denen es vor allem um Tischsitten und Kleidung geht.

chilli: Nach dem Motto „Kleider machen Leute“?
Hanisch: Es gibt Menschen, die unterschätzen, wie wichtig der erste Eindruck ist. In den ersten drei Sekunden versuchen Menschen einzuschätzen, wie kompetent das Gegenüber ist. Wenn ich hier schmuddelig ankomme, trauen Sie mir nicht zu, Knigge-Kurse zu geben.

chilli: Wie schwer ist es, einen schlechten ersten Eindruck wieder wettzumachen?
Hanisch: Unmöglich. Sie werden immer wieder daran denken, und in dem Moment, wo etwas schiefgeht, sagen Sie: Ich hab’s doch geahnt. Es ist nachgewiesen, dass der erste Eindruck im Durchschnitt sieben Jahre lang anhält. Das entscheidet sich aber nur anhand von Körpersprache und Äußerlichkeiten.

chilli: Beim Benehmen geht es vor allem darum, dass der andere sich wohlfühlt – bringt es das auf den Punkt?
Hanisch: Das ist das Ziel. Ein Beispiel: Wenn Sie zu Gast sind und man bietet Ihnen etwas zu trinken an, sollten Sie dieses Angebot immer annehmen. Ansonsten fühlt sich das für den Gastgeber nicht gut an. Das gilt übrigens auch im Vorstellungsgespräch. Ob Sie letztendlich tatsächlich etwas trinken, ist unerheblich. Es geht nur darum zu zeigen, dass man etwas vom anderen annimmt. Das ist ein Zeichen der Sympathie.

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Foto: Felix Holm