Tokyo durchgestrichen. New York durchgestrichen. Paris durchgestrichen. Freiburg nicht. T-Shirts mit lokalpatriotischen Designs wie diesem vertreibt Anton Würmlin mit seiner Marke „Freiburgs Finest“. Der gelernte Industriemechaniker hat 2013 die ersten Klamotten verkauft. Mittlerweile lebt der 25-Jährige davon – und expandiert seine Ideen in weitere Städte.

 

Think local: Anton Würmlin im Lager seiner kleinen Firma. Im Hintergrund hängt sein Bestseller, das Neighbourhood-Shirt.

 

 

Ist Freiburg besser als Tokyo, New York, Paris? „Ich war nie in den drei Städten“, sagt Würmlin. Eines wisse er aber sicher: „Ich liebe Freiburg.“ Dieses Gefühl möchte er auf seine Klamotten bringen. Mit dem Label „Freiburgs Finest“ will er nicht nur eine Lifestyle-Marke schaffen, sondern eine Community etablieren. Die Freiburger sollen näher zusammenrücken, wünscht sich Würmlin. Denn da sei Luft nach oben: „Manchmal sind die Menschen hier etwas kalt“, sagt der Familienvater. In Berlin oder Mannheim sei das anders.

 

Eines kann er gar nicht haben: Klamotten mit Namen von beliebigen Großstädten, die offenbar angesagt sind. „Im H&M gibt’s Shirts mit New York, San Francisco oder Chicago“, sagt er. „Warum soll nicht auch Freiburg cool sein? Oder Oldenburg?“ Also hält er mit seiner Kollektion dagegen. Der ersten Streetwaremarke der Stadt, betont Würmlin.

 

20 selbst entwickelte Designs hat er im Angebot. 3000 Artikel haben sich seit 2013 verkauft. Tendenz steigend. Etwa 150 Artikel gehen monatlich über die Theke. Mit rund 30.000 Euro Umsatz rechnet er in diesem Jahr. 20.000 Euro waren es vergangenes Jahr. „Das steigert sich kontinuierlich“, sagt Würmlin. Mit schwarzem Shirt, Jeans und getrimmtem Fünf-Tage-Bart sitzt er in seinem Arbeitszimmer. Im Hintergrund läuft Ami-Rap. Neben ihm stehen ein Keyboard, ein Rechner, Boxen.

 

Dass sein Büro aussieht wie ein kleines Tonstudio, ist kein Zufall: Früher war Würmlin selbst Produzent und Rapper und kam über die Musik zur Mode. Mit Kollegen hatte er damals eine Idee: „Wir machen ein paar 79er-Shirts und drehen alle durch“, erinnert er sich. 79 steht für die Postleitzahl der Stadt. Die zwei Zahlen finden sich noch heute auf seinen Kappen wieder. Mit 48 Shirts gingen er und ein Kollege an den Start. Ein Modell, vier Farben. „Das war ein Pilotprojekt: Ich dachte mir, ein paar Shirts und das war’s“, erinnert er sich. Doch es verkaufte sich gut. Würmlin bestellte einige Wochen später nach.

 

2014 fand er einen Geldgeber, der ihn noch heute unterstützt. Der Investor möchte aus beruflichen Gründen anonym bleiben. So betreibt Würmlin das operative Geschäft alleine. Designs entwerfen, Ware ordern, Social-Media-Kanäle pflegen, Kooperationspartner finden. „Das ist kein Spaßprojekt mehr“, sagt er. In Vollzeit ackert er für seine kleine Firma. Ein Selbstläufer ist sie nicht: „Ich bin noch am Kämpfen, um davon zu leben.“

 

Am besten verkauft sich sein Neighbourhood-Shirt. Darauf sind Stadtteile gedruckt: Wiehre, Zähringen, Weingarten … „In jedem Winkel fühlt man sich angesprochen“, betont der Jungunternehmer. Rund die Hälfte seiner verkauften Artikel trägt das Stadtteil-Design. Das Erfolgsmodell hat er mittlerweile für elf Städte angepasst. Er vertreibt es mit seiner zweiten Marke „Neighbourhood“ unter anderem in Mainz, Heidelberg, Karlsruhe, Mannheim. Mit den entsprechenden Stadtteilnamen.

 

Um seine Marken zu etablieren, kooperiert er mit Persönlichkeiten und Vereinen. Nils Petersen posierte für ein Foto. Die Footballer der Sacristans sind Partner. Auch SPD-Politiker Julien Bender trägt die Shirts. „Die Mode ist von der Straße inspiriert“, sagt Würmlin. Sie erreiche aber Kunden aus vielen Bereichen. „Ich will Freiburg rauskitzeln“, sagt er.

 

Die Ware gibt’s im Online-Shop sowie einigen Läden und Tankstellen. Gerne würde Würmlin irgendwann selbst einen Store aufmachen. Natürlich nicht in Tokyo oder Paris. Die einzige Option: Freiburg.

 

Text und Foto: Till Neumann