Klaus Seilnacht hat es leicht, über Zahlen zu reden, denn auch das Messejahr 2011 wird wieder mit einem Rekord abschließen. Und der nächste wartet schon: Im kommenden Jahr gibt es wieder die internationale Fachmesse „Interbrush“ am Flugplatz. Da die nur alle vier Jahre über die Bühne geht, wird auch 2012 der Umsatz voraussichtlich wieder nach oben klettern. So trafen die chilli-Redakteure Lars Bargmann und Georg Giesebrecht jetzt auf einen gut gelaunten Klaus Seilnacht und einen ebensolchen Abteilungsleiter Daniel Strowitzki.

chilli: Herr Seilnacht, die Kleingartensiedlung Hettlinger ist derzeit einer von zwei vom Rathaus favorisierten Standorten für ein neues Fußballstadion. Hätten Sie den SC gerne in der Nachbarschaft?

 

Seilnacht: Wir würden uns dann darüber freuen, wenn die verkehrliche Infrastruktur mit Andienungswegen und Parkplätzen so geschaffen wird,  dass Messe und Sportclub gut nebeneinander bestehen können. Wir wissen, wie die Zufahrbarkeit heute ist und wir haben viele Messen und Veranstaltungen an den Wochenenden. In dieser Spielzeit überschneiden sich die Heimspiele und unsere Messen an acht Wochenenden. Das ist ein Konfliktpotenzial.

 

chilli: Halten Sie das für lösbar?

 

Seilnacht: Ich bin kein Verkehrsplaner. Es muss auf jeden Fall so gelöst werden, dass es von Anfang an gut klappt, sonst könnte das sehr schädlich für die zukünftige Entwicklung der Messe sein.

 

Klaus Seilnacht (re.) und Daniel Strowitzki: Der boomende Umsatz hat sehr viel mit der Intersolar zu tun. Foto: Georg Giesebrecht

 

 

 

chilli: Wo werden sie weite Teile des Dezembers verbringen?

 

Seilnacht: Wie Sie sich denken können in Asien.

 

chilli: Wo sie am 6. Dezember mit dem Kongress für die erste Intersolar Messe in Peking starten.

 

Seilnacht: Es ist erst einmal erfreulich, dass wir in Peking Premiere feiern können. Und 11.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche sind ordentlich.

 

chilli: Und die Geburtshelfer, es ist nicht einfach, in China Fuß zu fassen…

 

Seilnacht: Eine ausländische  Firma, also auch wir, darf per Gesetz in China keine eigene Messe machen, es sei denn, die hat eine chinesische Tochterfirma. Wir haben aber ja die Messe München, wo unsere Intersolar Europa läuft. Und die hat eine chinesische Tochter in Shanghai. Die ist für uns der örtliche Dienstleister, wir aber bleiben der Herr im Haus. So haben wir die Krux gelöst.

 

Strowitzki: Ein ähnliches Konstrukt haben wir ja auch in Indien…

 

chilli: … wo nur ein paar Tage nach Peking die zweite Intersolar India läuft. Mit welchen Erwartungen?

 

Seilnacht: Mit sehr guten. Hier haben wir gegenüber der Premiere die Ausstellungsfläche auf 13.000 Quadratmeter verdoppelt und die Zahl der Aussteller von 150 auf 280 fast verdoppelt.

 

chilli: Welche Rolle spielen bei den Expansionsplänen Afrika oder Brasilien?

 

 

Volles Haus bei der Plaza Culinaria: Mit 33.000 Besuchern legte die Genussmesse einen neuen Rekord hin. Foto: Messe Freiburg

Seilnacht: Wir beobachten ständig den Markt und würden in diesen einsteigen, wenn die Erfolgsaussichten günstig sind. Sie dürfen nicht zu früh in den Markt, aber auch nicht zu spät. Wir beobachten mittlerweile auch den Mittleren Osten.

 

chilli: Die Intersolar ist das Millionen-Produkt der Messe. Was haben sie damit 2010, 2011 verdient?

 

Seilnacht: Ich möchte das am Wachstum der Ausstellungsflächen veranschaulichen…

 

chilli: …die Intersolar macht mehr als den halben Umsatz der Messegesellschaft aus. Die hat 2009 runde 15,5 Millionen Euro gemacht, die Intersolar in München wird also mindestens 8 Millionen Euro Umsatz machen.

 

Seilnacht: So weit können Sie das sagen. Ich spreche trotzdem über Flächen. 2010 hatten wir in München 1884 Aussteller auf 134.000 Quadratmetern, in diesem Jahr 2268 auf 169.000.

 

Strowitzki: Das ist übrigens das Achtfache der Fläche, die wir in Freiburg haben.

 

chilli: Und mit der Intersolar wächst der Umsatz.

 

Seilnacht: Ja, aber auch durch andere Veranstaltungen. Wir haben 2010 das Vorjahr um 3,5 auf 19 Millionen Euro getoppt und werden Ende 2011 voraussichtlich auf 23 bis 24 Millionen gewachsen sein. Als wir 2000 an den Start gingen, hatten wir die Aufgabe, den damaligen Umsatz in zehn Jahren von drei auf sechs Millionen Euro zu verdoppeln.

 

chilli: Sie sind weit am Ziel vorbeigeschossen…

 

Seilnacht (lacht): Ja, aber in die richtige Richtung.

 

chilli: Wie robust ist die Intersolar angesichts fallender Einspeisevergütungen für Solarstrom?

 

Seilnacht: Die Intersolar ist relativ robust, weil sie international ist. Wir haben mittlerweile mehr als die Hälfte der Aussteller aus dem Ausland. Anfangs hatten wir zehn Prozent. 2011 kamen Besucher aus über 150 Ländern. Natürlich schauen auch wir kritisch auf die Entwicklungen in Deutschland. Eine Messe ist immer Spiegel der Wirtschaft. Und die Intersolar ist die Weltleitmesse der Solarbranche.

 

chilli: Die zweite, mit der Freiburg punktet, ist die Interbrush.

 

Seilnacht: Auch das ist nicht zuletzt aufgrund ihrer hohen Internationalität eine wunderbare Fachmesse, die wir leider wegen des Innovationszyklus‘ nur alle vier Jahre durchführen. Die wird auch 2012 wieder nahezu ausverkauft sein.

 

chilli: Wie sind die Bewegungen bei den anderen Messen? Bei der Plaza Culinaria haben Sie mit 33.000 Besuchern auch einen Rekord hingelegt.

 

Seilnacht: Die Plaza läuft sehr gut, die Gartenträume wächst und die GETEC mit der IMMO auch. Auch die Internationale Kulturbörse hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt.

 

chilli: Bei der GET mussten Sie den Namen ändern…

 

Strowitzki: Die Messe heißt Gebäude.Energie.Technik. Da es aber im Norden auch eine Veranstaltung mit dem Namen GET gibt, die die Markenrechte reklamiert, haben wir uns mit den Kollegen in Hamburg geeinigt, dass wir unsere nun mit GETEC abkürzen.

 

chilli: Kann die mal ein volles Haus in allen Hallen feiern?

 

Seilnacht: Ja, aber das wird langsam gehen und hängt natürlich wie bei allen Veranstaltungen von der Konjunktur ab.

 

chilli: Wird die Premiere der Pferdemesse eine Fortsetzung finden?

 

Seilnacht: Der Veranstalter prüft, ob er die alle 2 Jahre machen will. Man kann sagen, dass es ein schwerer Start war.

 

chilli: Was waren die Enttäuschungen 2011?

 

Seilnacht: Ich muss Sie beim Plural enttäuschen. Die einzige Enttäuschung war die Besucherzahl bei der Baden Messe am ersten Messewochenende. Die muss ich bei 30 Grad und Kaiserwetter aber hinnehmen.

 

chilli: Basteln Sie an neuen Produkten?

 

Seilnacht: Ja, an einer EConstra, einer Fachmesse für den Ingenieurbau. Mit der werden wir im kommenden Oktober starten und haben jetzt schon 70 Aussteller. Nicht zuletzt dank der Einnahmen aus der Intersolar ist es uns möglich die Vorlaufkosten für den Aufbau dieser neuen Fachmesse vorzufinanzieren.

 

Strowitzki: Da wird es um Themen wie den Brückenbau oder  Tunnelbauten  sowie Hochbauten, Bau von Kläranlagen, ja auch den Rückbau von Kernkraftwerken gehen. Wir sind auch im Gespräch mit Herrenknecht, ob wir eine Tunnelbohrmaschine hierher bekommen.

 

chilli: Wie bewerten Sie die Auslastung des neuen Zäpfle Clubs?

 

Seilnacht: Wir sind Marc Oßwald (Geschäftsführer von Koko, d. Red.) dankbar für die Idee, die wir dann gemeinsam umgesetzt haben. Wir hatten in 2011 etwa zehn Konzerte, die sonst an Freiburg vorbeigegangen wären.

 

chilli: Wird’s 2012 ein Open Air auf dem Messeplatz geben?

Seilnacht: Derzeit ist nichts gebucht.

 

chilli: Im Gemeinderat ist der Flugplatz als Standort für ein neues Stadion immer noch ein Thema. Das wäre aber das Ende des Flugplatzes. Ist der wichtig für die Messe?

Seilnacht: Als Werbeargument ja. Ein Messe- und Kongressplatz mit  -wenn auch kleinem – Flugplatz vermarktet sich immer besser als einer ohne. Das grundsätzliche Thema schiebe ich aber gerne der Politik rüber.

 

chilli: Herr Seilnacht, Herr Strowitzki, vielen Dank für dieses Gespräch.