Wenn der Haustraum zum Hitzemartyrium wird: Ein Freiburger Steuerberater hat sich vor zwei Jahren ein neues Haus im Emmendingen gekauft – und seither an heißen Tagen unterm Dach auch mitternachts zuweilen noch 30 Grad im Schlafzimmer. Ein baulicher Mangel? „Wir meinen ja“, sagen Nina Wolber und Nicolas Schill von der Baurechtsspezialisten-Kanzlei Steiger, Schill und Kollegen in Staufen.

 

„Es gibt bislang keine allgemeinen Grenzwerte oder Regelwerksangaben für sommerliche Höchsttemperaturen in wärmegedämmten Wohn- und Aufenthaltsräumen“, so der Sachverständige Gerhard Klingelhöfer. Zwar regelt die Arbeitsstättenverordnung, dass es in Arbeitsräumen nicht länger als zwei, drei Stunden mehr als 26 Grad haben darf; zwar gibt es auch Entscheidungen im Mietrecht, wonach Mieter bei unzumutbaren Temperaturen die Miete kürzen können; ob aber Haus- oder Wohnungskäufer wegen der Hitze des Nachts einen Baumangel durchsetzen können, ist offen.

 

„Wenn man eine halbe Million für ein Haus ausgibt und dann im Sommer nicht schlafen kann oder nur im Keller, dann ist das sehr ärgerlich“, sagt der Steuerberater, der wegen des mutmaßlichen Baumangels dem Bauunternehmen die fünfprozentige Schlussrate bisher verweigert hat, weswegen dieses jetzt Klage eingereicht hat. „Wenn es bei der Miete ein Mangel ist, dann kann es auch beim Kauf ein Mangel sein. Und wenn es dazu bisher kein Urteil gibt, dann wollen wir jetzt mal eins“, sagt der schlaflose Neu-Emmendinger. In Staufen haben die Experten mittlerweile mehrere solcher Fälle auf dem Tisch. Für Wolber und Schill ist die Hitze im Haus ein klarer Mangel. Klingelhöfer ist skeptisch, ob es bald ein neues Regelwerk für zulässige Höchsttemperaturen geben wird, da zu viele unbeherrschbare Parameter mitspielen. Freiburg aber wartet auf einen Musterprozess.

 

Text: Lars Bargmann

 

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