Das neue Tanz- und Theaterhaus, Querelen unter den Mitarbeitern, inhaltliche Weiterentwicklung: Sicherlich nicht die einfachsten Aufgaben für den neuen Geschäftsführer des E-Werks. Doch Jürgen Eick, momentan noch Intendant in Ansbach, stellt sich seit Anfang Januar der Herausforderung. cultur.zeit-Redakteurin Tanja Bruckert erzählt er, wie es mit dem E-Werk und dem neuen Theaterhaus weitergehen soll.

Neuer E-Werk-Chef Jürgen Eick: „Künstlerisch und politisch in das Stadtgeschehen eingreifen.“

 

cultur.zeit: Sie sind momentan in der Einarbeitungsphase, bevor Sie im Juni eine 100-Prozent-Stelle antreten. Was sind die ersten Punkte, die Sie angehen?
Jürgen Eick: Da sind Fragen der Arbeitsorganisation, des Zuschnitts von Personalstellen und einer neuen Idee für das E-Werk. Ich komme jetzt nicht und behaupte, ich weiß, wie es richtig geht. Ich schätze die Arbeit, die bisher gemacht worden ist und bringe mich gerne ein, das weiterzuentwickeln. Es wird keine Revolution geben, es wird eine behutsame Weiterentwicklung.

 

cultur.zeit: Wohin soll sich das E-Werk entwickeln?
Eick: Ich möchte das E-Werk als Einheit begreifen, die auch selbst produzieren kann und mit den Freien koproduziert. Ich möchte die Chance nutzen, künstlerisch und politisch ins Stadtgeschehen einzugreifen, damit das E-Werk innerhalb der Stadt seine Relevanz bekommt. Denn ich glaube, dass kleine, professionelle Produktionshäuser für kleine Städte eine Zukunft der Kultur sind. Im Tanzbereich kann ich mir auf die Dauer das Gleiche vorstellen: alle zwei Jahre eine eigene Produktion.

 

cultur.zeit: Das E-Werk hat in letzter Zeit mehr Schlagzeilen wegen seiner Querelen als wegen seiner Inhalte gemacht. Wie wollen Sie das ändern?
Eick: Natürlich weiß ich um Querelen, aber es interessiert mich nicht: Meine Zeit im E-Werk fängt jetzt an. Ich persönlich glaube, dass es hier im letzten Jahr zu einem Vakuum gekommen ist, in dem verschiedene Ideen der Weiterentwicklung aufeinandergeprallt sind. Das muss jetzt in eine konstruktive Richtung gehen, denn was man sich hier erarbeitet hat, ist zu kostbar, als dass man es in regelmäßigen Abständen über den Haufen werfen kann.

 

cultur.zeit: Sie übernehmen das Theaterressort von Wolfgang Herbert, ist da nicht Streit vorprogrammiert?
Eick: Wir sind in einem Generationswechsel. Ich werde das Theaterressort übernehmen, um am Ende auch ein Theaterprogramm mit den Freien und dem neuen Theaterhaus aus einem Guss machen zu können. Das E-Werk verteilt mit seinen vielen Vorstellungen und dem nicht unbeträchtlichen Etat die Verantwortung auf noch mehr Schultern. Ich habe Respekt vor der Arbeit von Wolfgang Herbert, aber wir müssen auch Kraft zur Veränderung haben. Ein Kulturbetrieb muss sich ab und zu häuten.

 

cultur.zeit: Sie hatten angekündigt, im Frühjahr ein Konzept für das Tanz- und Theaterhaus vorstellen zu können. Wie weit sind Sie?
Eick: Ich bin in Gesprächen mit der Freiburger Initiative Freier Theater und Tanz (FIFFT): Wie wird das Haus bespielt, wie wollen wir es bewerben, was macht das neue Theaterhaus aus – ist es nur eine Spielstätte des E-Werks oder hat es wirklich eine eigene Identität, wofür ich sehr wäre. Das ist ein Prozess, den wir bis zum Sommer abschließen möchten. Dabei liegt die Organisationseinheit bei uns, was heißt, dass wir die Zügel in der Hand behalten müssen, aber wir wollen versuchen, die besten Bedingungen für die Freien zu schaffen.

 

cultur.zeit: Dabei wünscht sich FIFFT mehr Autonomie, etwa in Form eines eigenen Kulturmanagers …
Eick: Die Frage ist letztendlich: Wer betreibt das Haus? Und die Stadt Freiburg hat meines Erachtens richtig entschieden, dass das nur über das E-Werk laufen kann. Den Kulturmanager müssen wir logischerweise über unseren Personalplan laufen lassen, auch weil wir sonst keine Synergieeffekte schaffen können. Inhaltlich müssen sich die Freien gar keine Sorgen machen: Es wird einen Programmbeirat aus Mitgliedern der FIFFT geben, der Vorschläge macht, wie das Haus bespielt wird.

 

Text: Tanja Bruckert / Foto: tbr