chilli: Herr Vogelmann, Sparer bekommen derzeit fast keine Zinsen, und auch das Geld, das die Banken verleihen, ist billig wie nie. Rennen Ihnen potenzielle Häuslebauer und Immobilienbesitzer die Türe ein?
Vogelmann: Wir freuen uns über eine nachhaltige starke Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen. Der Markt in Freiburg ist nach wie vor sehr gefragt und gilt innerhalb Deutschlands als einer der besten.

 

chilli: Die PSD aBank betreut 113.000 Privatkunden. Wie viele Immobilienfinanzierungen tätigen Sie pro Jahr? Um welche Beträge geht es da?
Vogelmann: Wir haben im vergangenen Jahr 1752 Darlehen mit einem durchschnittlichen Volumen von rund 115.000 Euro bereitgestellt. Das sind also 202 Millionen Euro Neugeschäft.

 

chilli: Sind die Märkte für Neubauten und Bestandsimmobilien in Freiburg nicht leergefegt?
Vogelmann: Es gibt noch Objekte zu kaufen, die Frage ist nur, zu welchem Preis. Einer Studie zufolge möchte jeder zweite Bundesbürger in Freiburg leben. Freiburg gilt als Zuzugsgebiet und das wirkt sich auf die Preisentwicklung aus. Die Nachfrage übersteigt das Angebot.

Jörg Vogelmann von der PSD Bank

 

chilli: Von einer Betongold-Blase kann man immer noch nicht sprechen?
Vogelmann: Volkswirtschaftlich betrachtet dauert eine Blasenbildung in Immobilienmärkten durchschnittlich 20 Jahre. Somit können wir verlässliche Zahlen erst am Ende des Jahrzehnts bewerten. Die Preisentwicklungen der letzten fünf Jahre waren gerade in Freiburg enorm. Für Kapitalanleger wird es immer schwieriger, eine vernünftige Mietrendite zu erzielen.

 

chilli: Der niedrigste Zinssatz ist nicht immer automatisch der beste bei Baufinanzierungen. Was sollten Kunden beachten?
Vogelmann: Wir befinden uns auf einem historischen Zinstief, das künstlich von der Europäischen Zentralbank stark beeinflusst wird. Deshalb sollte die Finanzierung über den gesamten Finanzierungszeitraum betrachtet werden und nicht nur auf die ersten 5, 10 oder 15 Jahre. Eine Finanzierung über 25 Jahre birgt nicht nur Zinsänderungsrisiken, sondern unterliegt auch anderen Einflüssen und Risiken, die mitbetrachtet und individuell bewertet werden müssen. Kunden müssen abschätzen können, wie sie auf Unvorhergesehenes reagieren können. Die Statik ist nicht nur am Haus sehr wichtig, sondern auch bei der Finanzierung.

 

chilli: Welche Risiken werden unterschätzt?
Vogelmann: So wie beim Autofahren der Lenkung, den Bremsen und Rädern eine besonders wichtige Funktion zukommt, so ist es bei der Finanzierung das Zinsänderungs-/Belastungsrisiko, der Ausfall des Gehalts sowie die Tragfähigkeit beim Tod eines Familienmitgliedes. Das Auto wird in der Regel Vollkasko versichert. Bei der Finanzierung der eigenen Immobilie, meist die größte Investition im Leben einer Familie, werden allzu oft diese Themen ausgeblendet, der Zinssatz alleine stellt noch keine tragfähige Finanzierung.

 

chilli: Was verstehen Sie unter einem transparenten Angebot für ihre Kunden?
Vogelmann: Wir machen dem Kunden bewusst, dass wir uns in einer Sondersituation befinden. Grundsätzlich liegt der durchschnittliche Hypothekenzinssatz der letzten 25 Jahre bei etwa 6,5 Prozent. Berücksichtigt man eine Tilgung von 3 Prozent, dann sollte ein Kunde bei einer Finanzierungssumme von 150.000 Euro eine monatliche Belastung von 1.187,50 Euro finanziell tragen können. Aktuell hat er derzeit bei gleicher Tilgung nur eine Belastung von rund 540 Euro. Diese bleibt aber nicht während der gesamten Finanzierungsdauer gleich. Die Differenz sollte der Kunde nutzen und seinen künftigen Belastungsmuskel zu trainieren. Er kann beispielsweise mit monatlich 300 Euro ohne Risiko unter steuerlichen Gesichtspunkten eine deutlich höhere Rendite erzielen, als er derzeit bei der Finanzierung bezahlt. Dies muss kundenindividuell ermittelt werden. Aber diese Sondersituation sollte grundsätzlich jeder Kunde nutzen.

 

Text: Dominik Bloedner / Foto: PSD Bank