Der seit 22 Jahren vergebene und mit mehr als 2000 Euro dotierte ZMF-Preis, der förderungswürdige Musiker aus der Region bei ihrem Schaffen unterstützen soll, geht in diesem Jahr nicht gerade an ein Nachwuchstalent: Preisträger ist der 45-jährige Akkordeonist Volker Rausenberger. Der Leiter des Freiburger Akkordeonorchesters macht sich auch deswegen in besonderem Maß um die Musik verdient, weil er als Dozent an der Pädagogischen Hochschule und als Musiklehrer sein Wissen an Jüngere weitergibt. So ist er unentwegt bestrebt, der etwas aus der Mode gekommenen „Quetschkommode“ neue Jugend einzuhauchen. Warum sich das in seinen Augen lohnt, hat er chilli-Redakteur Felix Holm im Interview verraten.

 

Rausen

 

chilli: Wie sind Sie eigentlich zum Akkordeonspielen gekommen?

Rausenberger: So weit ich mich erinnere, habe ich da keine Wahl gehabt. Mein Vater und mein Bruder haben beide Akkordeon gespielt. Aber ich würde im Rückblick auch kein anderes Instrument wählen, ich bin sehr glücklich damit.

 

chilli: Dabei ist das heute alles andere als ein populäres Instrument. Glauben Sie, dass das Schifferklavier ein Imageproblem hat?

Rausenberger: Jein. In Teilen der Bevölkerung kennt man das Akkordeon als Schifferklavier oder Quetschkommode – eben als volkstümliches Instrument oder als Volksmusikinstrument. Es wurde lange Zeit gar nicht als künstlerisches Instrument wahrgenommen. Aber ich komme immer wieder in Situationen, in denen Leute auf mich zukommen und sich wundern, was man mit dem Akkordeon alles machen kann.

 

“Das Chamäleon der Instrumente”

 

chilli: Was kann man denn alles damit machen?

Rausenberger: Fast alles – außer Chopin (lacht). Und manche spielen sogar das. Einer hat mal gesagt: es ist das Chamäleon der Instrumente, weil es so vielseitig ist. Natürlich ist es in der Volksmusik und in der volkstümlichen Musik oder der Folklore beheimatet. Inzwischen ist es aber auch stark in der neuen, zeitgenössischen Musik verhaftet.

 

chilli: Auch in der Popmusik?

Rausenberger: Da ist es wenig präsent, das stimmt. Lambada war ein großer Hit mit Akkordeon – und damit damals eine große Hilfe für das Instrument. Aber das ist wirklich schon eine Weile her. Bei „Ai Se Eu Te Pego“ (Anm. d. Red.: Nossa, nossa!) war ein Akkordeon dabei. Es gibt Richtungen wie den „Gypsy-Jazz“, wo es relativ stark vertreten ist. In Finnland ist es erstaunlicherweise ein mehr genutztes Cross-Over-Instrument. Da gibt es sogar Heavy-Metal-Bands mit Akkordeon. Und bei Element of Crime – einer meiner Lieblingsbands – ist es auch mit drin.

 

chilli: Abschließend zu dem Thema: Warum sollten junge Menschen Akkordeon spielen?

Rausenberger: Weil’s ein cooles Instrument ist. Es ist so wandlungsfähig: Man kann klassische Musik drauf spielen, Tango, Folklore. Ich habe eine Schülerin, die geht mit dem Akkordeon raus und macht Straßenmusik. Man kann alleine spielen, im Ensemble mit anderen Instrumenten oder im Orchester.

 

chilli: Dieses Jahr werden Sie mit dem ZMF-Preis ausgezeichnet. Was bedeutet Ihnen so etwas?

Rausenberger: Erstmal finde ich es toll, dass man mit 45 noch einen Förderpreis bekommt (lacht). Das ist auch eine Bestätigung für unsere Arbeit, für die untypische Richtung, die wir einschlagen. Es bestätigt uns, dass wir richtig liegen, wenn wir uns den verschiedensten Musikstilen öffnen und bekräftigt uns, diesen Weg weiterzugehen.

 

chilli: Überreicht bekommen Sie den Preis im Rahmen der ZMF-Gala mit dem Motto „Fiesta Latina“. Was darf man da von Ihnen und Ihrem Orchester erwarten?

Rausenberger: Wir werden gemeinsam mit der argentinischen Sängerin Josefina Aymonino auftreten und einen Ausschnitt aus unserem gemeinsamen Tango-Projekt zeigen. Und wahrscheinlich bringen wir auch ein paar Tango-Tänzerinnen mit.

 

INFO:

Volker Rausenberger tritt zusammen mit seinem Akkordeonorchester im Rahmen der ZMF-Gala „Fiesta Latina“ am 28. Juli im Spiegelzelt auf. Als Überraschungsgast wird dort wohl Ex-Fußballer Rodolfo Cardoso auftreten, um an diesem Abend den Tango anzumoderieren.

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