Ende April haben 25 Freiburger Hoteliers kollektiv ihrem Unmut über die vom Gemeinderat beschlossene Bettensteuer Luft verschafft. Diese soll am 1. Januar 2014 in Kraft treten und fünf Prozent des Übernachtungspreises von Privatreisenden einkassieren. Einmalig in Baden-Württemberg. „Gastunfreundlich“ sei die Steuer und sie würde einen „riesigen Verwaltungsapparat“ hinter sich herziehen, meinen die Hoteliers und fühlen sich von der Stadt und ihrem Partner, der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM), gar vorgeführt. FWTM-Geschäftsführer Bernd Dallmann zeigt für den Ärger zwar Verständnis, bestreitet aber vehement die zudem gemachten Vorwürfe, die FWTM habe kein Marketingkonzept. Der Leiter der Stadtkämmerei Bernd Nussbaumer bleibt indes ganz gelassen. Für ihn geht es jetzt nur noch darum, gemeinsam mit den Hotels eine beschlussfähige Satzung zu entwerfen. Die erwarteten Mehreinnahmen in Höhe von rund einer Million Euro jährlich hat das Rathaus schon eingeplant.

Hoch belastet: Die Freiburger Hoteliers klagen, dass sie bereits genug Abgaben an die Stadt leisten würden – und haben das Gefühl, dass man ihre Arbeit nicht wertschätzt.

 

Sie beschäftigen insgesamt 1200 Mitarbeiter und stellen zusammen 80 Prozent der belegbaren Betten in Freiburg zur Verfügung. Und sie sind verärgert. Die Rede ist von 25 Hotelbetreibern, die an diesem Nachmittag Ende April zu einer Pressekonferenz ins Colombi-Hotel geladen haben. In halber Kompaniestärke angetreten sitzen sie wie bei einem Kriegsrat. „Wir empfinden keine Wertschätzung unserer Arbeit von Seiten der Stadt“, empört sich Astrid Späth, die Sprecherin des noch namenlosen Zusammenschlusses der Hotelbetreiber und Chefin des Hotels Victoria in der Innenstadt: „Und wir werden nichts unversucht lassen, die Bettensteuer zu verhindern.“

Die neu beschlossene Steuer ist den Hotelbetreibern nach eigenen Angaben allerdings nicht wegen der finanziellen Abgabe ein Dorn im Auge. Aber die Tatsache, dass sie nur Privatreisende betreffen soll, bereitet den service-orientierten Geschäftsleuten Bauchschmerzen, oder wie es der Vorsitzende des Freiburger Hotel- und Gaststättenverbandes Hansjörg Dattler formuliert: „Wir wollen nicht schon beim Eintritt in ein gastfreundliches Haus eine unfreundliche Stimmung schaffen, indem wir peinliche Fragen stellen.“

Eric Lasiaille, Hoteldirektor des Panorama Mercure, verdeutlicht die Situation, indem er einem imaginären Gast folgende Frage stellt: „Ist das Ihre Frau oder Ihre Sekretärin, mit der Sie bei uns übernachten wollen?“ Späth unterstreicht noch einmal: „Wir wollen keine Kämpfe an der Rezeption führen – wenn die Politiker das durchsetzen, sollen die sich mal einen Tag bei uns an den Empfang stellen.“

Die Hoteliers sind zudem der Ansicht, dass sie bereits genügend Abgaben an die Stadt leisten würden. Geiz wollen sie – die ja seit 2010 von der umstrittenen bundesweiten Herabsenkung der Mehrwertsteuer von 19 auf 7 Prozent profitieren – sich allerdings nicht vorwerfen lassen.

Eine Green-City-Fee habe man sich durchaus vorstellen können. Dabei wäre pro Übernachtung ein Euro an die Stadtverwaltung abgeführt worden. Diese hätte das Geld aber nur für Zwecke einsetzen dürfen, die den Status der Green City Freiburg weiter unterstreichen – also etwa der Ausbau der Rad- und Wanderwege in und um Freiburg. Davon hätten am langen Ende wohl auch die Hotels profitiert, die dem Rathaus und insbesondere der FWTM daher auch vorwerfen, kein richtiges Marketingkonzept zu haben. „Mit einer Green-City-Fee kann sich auch ein Gast identifizieren“, findet Lasiaille, „mit einer Steuer wohl kaum.“

Die Hoteliers befürchten, dass das per Bettensteuer eingenommene Geld „irgendwo im Haushalt versickert“, wie Christoph Glück vom Hotel Kaiser es sagt. Und weil die Nachricht von der geplanten Bettensteuer über die Hoteliers hereinplatzte, während man noch über die Green-City-Fee verhandelte, fühlen sich die Hoteliers gar vorsätzlich getäuscht, wie Dattler betont: „Die Green-City-Fee war ein Scheingefecht. Wir fühlen uns von FWTM-Geschäftsführer Bernd Dallmann vorgeführt.“

Trotz der persönlichen Attacke reagiert der FWTM-Chef mit Verständnis: „Ich kann nachvollziehen, dass die Hoteliers verärgert sind. Wir haben über die Green-City-Fee, die ja eigentlich dazu gedacht war, die Bettensteuer zu verhindern, gute Verhandlungen geführt.“ Allerdings weist er die Schuld an der Entscheidung pro Bettensteuer von sich, genauso wie den Vorwurf, die FWTM würde zu wenig für die Hotelbranche tun. „Wer sagt, wir hätten kein Marketingkonzept, ignoriert unsere Papiere“, echauffiert sich Dallmann, „seit wir hier angefangen haben, hat keine Stadt in Baden-Württemberg so große Zuwächse an Übernachtungen wie Freiburg, das kann auch auf die konsequente Stadtentwicklungspolitik und unsere Arbeit zurückgeführt werden.“

Die Übernachtungen hätten sich von 1987 bis heute mehr als verdoppelt, mit 1,4 Millionen pro Jahr liege man heute vor Städten wie Heidelberg oder Basel, die jeweils auf 1,1 Millionen Übernachtungen kämen. Die auch von der FWTM auf den Weg gebrachte Neue Messe oder das Konzerthaus hätten enorm zur Förderung des Fremdenverkehrs beigetragen. Zudem sei es der FWTM gelungen, die Marke „Green City“ aufzubauen und damit weitere Übernachtungserfolge zu erzielen.

Nichtsdestotrotz ist Dallmann „an einem guten Verhältnis mit den Leistungsträgern unseres guten Tourismus interessiert“. Auch in seinen Augen wäre die Green-City-Fee eine wesentlich elegantere Lösung gewesen. „Das war ja vor zwei Jahren unser Vorschlag. Da hätte man auch andere wesentliche Nutznießer unserer Tourismusförderung wie die Einzelhändler oder die Gastronomen mit einbinden können.“

Von der Mobilmachung der Hoteliers zeigt sich der Leiter der Stadtkämmerei Bernd Nussbaumer indes wenig beeindruckt. „Immer wenn man eine neue Steuer einführt, gibt es erst mal eine Gegenbewegung. Das war ja auch bei der Zweitwohnungsregelung so, und am Ende hat da auch keiner mehr geklagt.“ Er will demnächst das Gespräch mit den Hoteliers angehen, um gemeinsam mit ihnen eine Satzung zu entwerfen, die dann vom Gemeinderat beschlossen werden kann. Dabei geht es in seinen Augen aber nur noch um Details: „So wie ich die Hotelbetreiber verstehe, sorgen sie sich darum, dass der Aufwand zu hoch ist. Dann müssen wir eine Lösung finden, wie man den minimieren kann.“ Dass die Abgabe kommt, daran hat er keinen Zweifel.

Die Hoteliers haben derweil die ersten Schützengräben ausgehoben, der Kampf an der Rezeption ist eröffnet, das haben sie mit ihrem scharfen Beschuss bereits verdeutlicht. „Ich bin Freiburgerin, ich will nicht gegen die Stadt klagen müssen“, sagt Späth. Ihre Betonung liegt dabei allerdings auf dem letzten Wort.


Text: Felix Holm / Foto: Pixelbliss – Fotolia.com