Wer darf sich für die nächsten acht Jahre auf den Chefsessel im Freiburger Rathaus setzen? Am kommenden Sonntag wählt die Freiburger Stadtgesellschaft ihren neuen Oberbürgermeister. Spannend wird sein, ob Amtsinhaber Dieter Salomon im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit holen kann oder es eine zweite Runde braucht.

 

Keine große Aufregung: Der Einzug ins Freiburger Rathaus wird – spätestens nach einem zweiten Wahlgang – keiner mit Herzschlagfinale.

 

Amtsinhaber Dieter Salomon (Grüne) wird in diesen Tagen keine schlaflosen Nächte haben. Die CDU, zweitstärkste Fraktion im Rathaus, hat es erneut nicht geschafft, einen tauglichen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Das muss vor allem die Christdemokraten selbst enttäuschen. Auch wenn Parteichef Peter Kleefass unlängst kundtat, dass er “angesichts des Personaltableaus” froh sei, dass die CDU nicht auch noch „einen Verlegenheitskandidaten“ aufgeboten habe. Wenn die Partei indes Stefan Breiter nicht als neuen Finanzbürgermeister, sondern als Rathauschef ins Rennen geschickt hätte (und der auch gewollt hätte), wäre die aktuelle Gemengelage wohl deutlich gefährlicher für Salomon geworden.

 

Die Sozialdemokraten hingegen haben mit Martin Horn einen achtbaren Kandidaten gefunden, der für ein Ergebnis oberhalb von 20 Prozent sicher gut ist. Die Kulturliste gab zwischenzeitlich eine Wahlempfehlung für Horn. Monika Stein fasste den Mut, zu kandidieren, und hat eine nicht zu unterschätzende Gefolgschaft in Freiburg geschlossen hinter sich. Ein zweistelliges Resultat mit rund um 15 Prozent dürfte die Ernte sein. Die anderen Kandidaten (chilli-Kandidaten-Check) dürften sich hingegen keine großen Hoffnungen auf zweistellige Ergebnisse machen. Bei manchem gewinnt der neutrale Beobachter gar den Eindruck, dass nicht der Wunsch nach politischer Verantwortung, sondern ein Aufmerksamkeitsdefizit die Motivlage beeinflusst.

 

Die Qualität der Auseinandersetzungen und inszenierten Eigenwerbungen – etwa in Internetforen, selbst gedrehten Videobotschaften oder mit sich selbst geführten Interviews, die dann als „Anzeige“ in der Zeitungen stehen – war lange irgendwo zwischen Kreisklasse B und Regionalliga, hat aber in den vergangenen Tagen deutlich an Qualität gewonnen.

 

Dennoch sehnt man sich fast nach den früheren Kämpfen um den OB-Posten in Freiburg. 1982 kam noch der – wenige Tage zuvor abgesetzte – Kanzler Helmut Schmidt, um den SPD-Kandidaten Rolf Böhme für einen hauchdünnen Sieg zu unterstützen. 2002 gab es ein anfänglich sehr enges Rennen zwischen Salomon und Gudrun Heute-Blum, mit Bernhard Zepter (SPD) und Michael Moos zudem zwei gute Köpfe. Es brauchte einen zweiten Wahlgang. 2010 mit Ulrich von Kirchbach und Günter Rausch auch verantwortungsbewusste Rivalen und meistens niveauvolle Auseinandersetzungen. Damals war nur die maue Wahlbeteiligung von 45,2 Prozent bedenklich. Es spricht nicht viel dafür, dass sie in diesem Wahlkampf nach oben schnellt. Eine niedrige Wahlbeteiligung dürfte vor allem dem Amtsinhaber schaden.

 

Text: Lars Bargmann / Fotos: © iStock.com/RoyalFive, iStock.com/katatonia82

 

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