Fußball ist eine Sprache, die jeder versteht. Das Mädchenfußballprojekt „kick for girls“ nutzt daher den Sport, um sich für Schülerinnen mit Migrationshintergrund einzusetzen. So verwandelt sich etwa die Mittagspause an der Albert-Schweitzer-Schule II in 90 Minuten voller Körpereinsatz, Gemeinsamkeit und Spaß.

 

In einem orangerot gestreiften Trikot von Galatasaray Istanbul betritt Leyla Kocakursun die Sporthalle. Die 11-jährige Schülerin schnappt sich sofort einen Ball und drischt ihn in die Maschen. Die ersten kostbaren AG-Minuten werden nicht ohne das Leder vertrödelt. Seit einem Jahr ist Leyla nun in Deutschland. Ihre Familie kommt aus der Türkei. Dank ihrer Cousine ist sie vor einem Jahr das erste Mal zur Mädchenfußball-AG gekommen.

 

Leyla ist eine von mehr als 150 Schülerinnen, die einmal wöchentlich bei den Fußball-AGs von „kick for girls“ mitmachen. Ziel ist es, den Mädchen den Zugang zum organisierten Sport zu ermöglichen. „Viele Flüchtlingsfamilien wissen häufig nicht, was in einem Sportverein gemacht wird und wie man dort Mitglied werden kann“, sagt Berndt Tausch, der Initiator des Projektes. Den Eltern fehle häufig das Geld, um Vereinsbeiträge zu zahlen oder Sportschuhe zu kaufen. Seit 2009 kooperiert „kick for girls“ mit Freiburger Schulen, an denen es viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund gibt. Die Erste war die Albert-Schweitzer-Schule II in Landwasser, mittlerweile gibt es das Projekt an zehn weiteren Partnerschulen.

Bei „kick for girls“ geht's um Gemeinschaft.

 

„Spielt zusammen! Schaut, wo die anderen stehen!“, ruft Lotta Ravn und positioniert sich im Tor. Die 26-Jährige leitet die AG. Seit vergangenem Sommer spielt sie bei der Bundesliga-Reserve des SC Freiburg. Erfahrungen mit integrativen Fußballprojekten hat die Studentin bereits bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr gesammelt. Gemeinsam mit ihrer Mannschaftskollegin Eva Virsinger versucht sie, den Mädchen einen Eindruck vom Vereinstraining zu geben. „Es ist nicht immer leicht, die Gruppe zusammenzuhalten“, sagt Ravn. Gerade das aufmerksame Zuhören und Umsetzen von Aufgaben sei manchmal schwer. „Es gibt immer ein paar, die total motiviert sind, und ein paar, die chaotisch sind.“ Sind die Bälle erstmal aus dem Netz, gibt es kein Halten mehr. Die Kugeln sausen durch die Luft, Zurufe hallen übers Spielfeld, hier und da kommt eine Nachzüglerin in die Sporthalle.

 

Besonders begeistert sind die Mädchen von den Schulturnieren oder dem jährlichen Mädchenfußballtag, der mit dem Polizei-Sportverein (PSV) Freiburg organisiert wird. Stolz erzählt Leyla vom zweiten Platz beim letzten Turnier. Auch das Interesse am Reinschnuppern bei einem Vereinstraining ist groß. Momentan spielt aber nur eines der Mädchen in einer richtigen Fußballmannschaft. Neben der Fußball-AG organisiert „kick for girls“ daher zudem das Projekt „kick im Verein“, bei dem der Kontakt zwischen Mannschaften wie dem PSV oder ESV Freiburg und den Schülerinnen hergestellt wird. „Wir sind das Bindeglied zwischen unseren AG-Mädchen, deren Eltern und den Vereinen“, erzählt Virsinger. So hat die SC-Spielerin die Mädchen Anfang Mai auch zu einem Probetraining beim PSV Freiburg begleitet.

 

Beim Schultraining versammeln sich nun alle am Rande des Spielfelds. „Letzte Runde”, ruft Ravn. Ein letztes Mal schnappt Leyla sich den Ball und versenkt ihn mit rot leuchtenden Wangen im Tor. Sie war die Erste in der Halle. Und geht als Letzte.

 

Text & Foto: Stella Krause