Arne Birkenstock bringt den wohl spektakulärsten Fall der jüngsten Kunstfälschergeschichte ins Kino. Sein Film über den deutschen Maler Wolfgang Beltracchi ist eine launige Doku, die weniger den dreisten Fälscher kritisiert als vielmehr den raffgierigen Kunstbetrieb.

 

Im Falle von Wolfgang Beltracchi, der mit bürgerlichem Namen weniger malerisch Wolfgang Fischer heißt, geht es um viele, viele Millionen. Seine Geschichte ist nicht nur die eines unverfrorenen Hochstaplers und begnadeten Malers, sondern auch die eines Skandals, der die Kunstwelt erschüttert und viele seiner Protagonisten blamiert hat. Über einen Zeitraum von fast 40 Jahren hat Beltracchi nach eigenen Angaben über 300 Bilder und Zeichnungen angefertigt. Dabei hat er hat nicht nur eifrig „kopiert“, sondern auch Bilder erfunden und dadurch Lücken im schöpferischen Werk einzelner Künstler wie Heinrich Campendonk oder Max Ernst gefüllt. Für Beltracchi und seine Frau Helene war das ein profitables Geschäft, immerhin haben die beiden die scheinbaren Originale für teures Geld verkauft. 2010 kam ihr Betrug ans Licht, derzeit büßen sie ihre mehrjährigen Haftstrafen ab, gleichwohl im offenen Vollzug.

 

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Was er da macht, diese fragwürdige Arbeit als professioneller Kunstfälscher, das hätte Max Ernst „nicht lustig gefunden, der hätte gesagt, sperrt ihn ein“. Das sagt Wolfgang Beltracchi, einer der größten und kreativsten Betrüger, der mit diebischer Freude zahlreiche Oeuvres des deutschen Malers fälschte und sich rühmt, vielleicht den schönsten Max Ernst überhaupt gemalt zu haben. Was auffällt, wenn Beltracchi erzählt, ist sein unerschütterliches Selbstbewusstsein, seine Chuzpe. „Ich bin der Meinung, dass ich alles malen könnte“, sagt er, egal ob Rembrandt oder Leonardo da Vinci. Das sei schließlich sein Job.

 

Filmemacher Arne Birkenstock lässt einen unmittelbar teilhaben am Denken und Schaffen eines Mannes, der auf zweifelhafte Weise zu Ruhm gekommen ist. Man sieht Beltracchi bei seiner Arbeit im Atelier, wie er Farben anrührt und darüber ins Schwärmen gerät. Unterschnitten werden diese Einstellungen mit Aussagen von Kunsthändlern und Galeristen, aber auch von einem Sammler-Ehepaar, das Beltracchis Kunstsinnigkeit auf den Leim gegangen ist. Ihr Campendonk war es, der Beltracchi auffliegen ließ, nach Jahrzehnten unbehelligten und unermüdlichen Schaffens als Plagiator.

 

Die Geschichte hat ihren Auftakt in Frankreich, in der Nähe von Marseille, wo das Ehepaar Beltracchi lange auf einem imposanten, weitläufigen Weingut gelebt hat, wo viele der getürkten Bilder entstanden sind. Birkenstock begleitet Beltracchi mit seiner Frau Helene auf einen Flohmarkt, wo er alte Bilder kauft, die er später bearbeiten und präparieren wird für seine Zwecke; da kommt ihm der Stempel einer Galerie aus Barcelona gerade recht. Mit Kritik hält sich Birkenstock, dessen Vater übrigens Beltracchis Strafverteidiger war, zurück: Seine Sichtweise ist die eines amüsierten Betrachters, der Beltracchi unbeirrt erzählen lässt aus einem bewegten, betrügerischen Leben und ihm Raum gibt für seine lakonischen Ausführungen.

 

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Birkenstock baut seinen Film nicht chronologisch auf, auch widmet er dem Prozess, der eine Verurteilung zur Folge haben wird, keine große Aufmerksamkeit. Dafür bekommt man Einblicke in das Leben der Familie Beltracchi, in ihren hedonistischen Lebensstil. In einer Zeitraffer-Montage blättert der Filmemacher durchs private Familienalbum. Und das Publikum tritt ein in die sagenhafte Welt des Kunstbetriebs und der Auktionen, wo für einzelne Werke immer wieder Rekordsummen gezahlt werden.

 

Es ist eine verrückte Welt, zweifellos, und Beltracchi hat sie hemmungslos mit großer krimineller Energie für seine Zwecke benutzt. Das, so suggeriert uns die Haltung des Regisseurs, fast schon ein bisschen zu Recht. Denn was ist von einem Kunstmarkt zu halten, in dem es weniger um das Kunstwerk geht als vielmehr ums Geschäft, um den finanziellen Gewinn? Amüsierte Schadenfreude klingt mit, süffisante Ironie durchzieht diese unkritische Dokumentation, die Beltracchi als modernen Robin Hood feiert und den Kunstmarkt als stupide Geldmaschinerie entlarvt. All das ist letztlich ein ziemlich düsteres Gemälde.

 

Text: Heidi Reutter

 

Deutschland 2013

Dokumentarfilm

Regie: Arne Birkenstock

Verleih: Senator

Laufzeit: 102 Minuten

Start: 6.3.2014