Erst hießen sie „Geflügeltage“, was allerhand gackernde Assoziationen auslöste, die Sache aber nicht wirklich traf. Dann wurden sie etwas biedermeierlich in „Lied und Wort“ umbenannt – auch dieser Titel nicht unbedingt ein Appetizer fürs Publikum. Doch nun, in der neunten Auflage, hat das jährliche Minifestival im Freiburger Vorderhaus endlich seinen Klarnamen bekommen: „Musikkabaretttage“, schlicht und ergreifend. Doch wie das Ding auch heißen mag, es ist auch dieses Jahr wieder sehens- und hörenswert.

Dienstag, 7. Mai, 20.30 Uhr: Nils Heinrich

 

Geboten werden vom 7. bis 11. Mai fünf Shows von Newcomern und alten Bühnenhasen aus ganz Deutschland –und das bedeutet geballte Kleinkunst plus Livemusik in allen Schattierungen und Facetten. Den Auftakt macht der mehrfach ausgezeichnete Berliner Nils Heinrich mit seinem neuen Programm „… weiß Bescheid!“. Der gebürtige Sachsen-Anhalter, Ex-Konditor und Autor ist zwar immer wieder Gast bei TV-Shows, in Freiburg war er allerdings noch nie zu sehen. Seine Wurzeln hat Heinrich im Poetry Slam, und so gibts nicht nur böse Beobachtungen aus dem Alltagswahnsinn, sondern auch Raps und Songs mit Gitarre.

Mittwoch, 8. Mai, 20.30 Uhr: Die Popette in Betancorband

 

Schon lange kein Geheimtipp mehr ist auch die singende Poetin Susanne Betancor, alias Popette und ihr „polytonaler Kammerpop”. Das 13. Programm „Kein Island“ bewegt sich mit Songs aus dem aktuellen Album zwischen Freejazz, Flamenco und Blues, garniert mit dadaistischen Kampfgedichten und schrägen Schnurren. Begleitet wird die reich bepreiste Wahlberlinerin von Dirk Berger an der Elektrogitarre und Clara Haberkamp am Klavier. Sie versprechen ein künstlerisch-komisches Live-Spektakel.

Donnerstag, 9. Mai, 20.30 Uhr: Simon und Jan

 

Newcomer indes ist das junge Duo Simon und Jan mit seinem Programm „Der letzte Schrei“, bei dem die beiden Musiker grandioses Gitarrenspiel und Gesang zu solch zynischen Balladen arrangieren, dass sie mit ihrer Show nicht nur allerhand Kleinkunstpreise abräumten, sondern auch als „Liedermacherischer Wolf im Schafspelz“ (Hamburger Abendblatt) gehandelt werden. Wer auf youtube herumstöbert, kann sie in Simon & Garfunkel-Manier ganz harmlos so Galliges trällern hören wie „Als ich gestern sternhagelvoll auf der Treppe hing, ham die Jungs gesagt, das wär ein postmodernes Happening …“

Freitag, 10. Mai, 20.30 Uhr: Axel Pätz

 

Weiter gehts mit dem Hamburger Kabarettisten Axel Pätz und seinem neuen Programm „Das Niveau singt“, bei dem er bundesdeutsche Phänomene wie Mülltourismus, Gesundheitssystem oder Anrufbeantworter-Hotlines mit rabenschwarzem Humor seziert und in hintergründig-freche Chansons gießt. Das kommt meist ganz harmlos daher, strotzt allerdings vor Ironie, Sprachwitz und skurrilen Einfällen und führt das Publikum immer wieder raffiniert an der Nase herum. Auch Pätz ist Kleinkunstpreis-Abräumer und einer der ganz Großen in Sachen Musikkabarett – in Freiburg hat er längst sein Publikum.

Samstag, 11. Mai, 20.30 Uhr: Michael Krebs

 

Die Sparte Musikcomedy bespielt der junge Schwabe und Wahlhamburger Michael Krebs mit seinem Programm „Es gibt noch Restkarten“, mit dem er schon das Metal Festival in Wacken oder das Düsseldorfer Kom(m)ödchen rockte. Krebs groovt an Klavier und Gitarre, plaudert aus dem wilden Musiker-Leben inklusive Frauen- und Hotelstorys und macht die Rampensau. – Wie sich das nennt? „Kleinkunst-Rock‘n‘Roll“!

Text: Marion Klötzer
Fotos: Nils Heinrich / Susanne Betancor / Melanie Grande / Meeke Voges /
Ramon Kramer

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