Morgen, Donnerstag, 21. März 2013: Das Freiburger Rathaus macht mit beim bundesweiten „equal pay day“. Also genau bei dem Tag, bis zu dem Frauen angesichts der ungleichen Geschlechterentlohnung arbeiten müssen, um so viel zu verdienen, wie die Männer im Jahr 2012. Ein Grund dafür: Frauen arbeiten häufig in Branchen mit niedrigerem Lohnniveau. Nun meldet die Stadt Freiburg, man könne sich ganz einfach am equal pay day beteiligen: „Durch das Tragen einer roten Tasche kann jeder ein Zeichen gegen die Unterbezahlung frauendominierter Berufe setzen. Das Rot steht für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen“, so die städtische Pressemeldung.

 

Großartig! Und so frauengerecht! Nun hat Frau den Vorwand des Jahres, losziehen, und sich eine neue Handtasche zu leisten. Rot ist ja zum Glück gerade en vogue als Taschenfarbe. Und dazu – das Outfit muss ja stimmen – vielleicht noch einen passenden Geldbeutel, Gürtel, Schuhe, Jacke undsoweiter? Ein schlechtes Gewissen ob des Kaufrauschs kann unter diesen Umständen gar nicht aufkommen, denn frau setzt mit all dem ja ein Zeichen für mehr Geschlechtergerechtigkeit!

 

Das Resultat? In jedem Fall ein dickes Minus auf Frauenkonten – jene rote Zahlen eben, die die Pressemeldung anprangert. Sollten wir aber nun unsere Belege für rote Taschen plus passende Accessoires bei der Stadt einreichen und auf Erstattung hoffen? In den laufenden Haushaltsberatungen wäre diese Strategie angesichts des betroffenen Wählervolumens und der sicheren Unterstützung des Freiburger Einzelhandels vielleicht gar nicht ganz so aussichtslos. Oder sollten wir doch eher selbstkritisch feststellen: Zumindest ein Teil unserer persönlichen Frauenfinanzmisere liegt vielleicht auch an unserem Ausgabeverhalten?

 

Fritzi Berlin