Endlich. Endlich wird in Freiburg über Architektur gestritten. Der neuen Universitätsbibliothek am Rotteckring sei Dank. Der Basler Architekt Heinrich Degelo hat in den Staub der Betongeschichte ein gläsernes und metallenes Raumschiff gesetzt, das sich in diesen Wochen mehr und mehr aus seiner Konstruktion streckt. Der mächtige Bau prallt beinah nahtlos an das Anfang des 20. Jahrhunderts gebaute Stadttheater, ans bisher platzprägende KG II aus den Endfuffzigern gegenüber und ans vor gut 100 Jahren eröffnete KG I.

 

Kopenhagen: Der schwarze Diamant beherbergt dort auch Bücher - die der königlichen Bibliothek.

Kopenhagen: Der schwarze Diamant beherbergt dort auch Bücher – die der königlichen Bibliothek.

 

 

Jórunn Ragnarsdóttir, die Vorsitzendes des neuen Freiburger Gestaltungsbeirats, kritisierte die neue UB bei ihrem ersten Freiburg-Besuch als „schrecklich“, als „Dampfer“, der total „überdimensioniert“ mitten in Freiburg stehe. Ihre Kollegin  Miriam Weyell findet den „geschliffenen Diamanten“ (Degelo) hingegen sehr schön. Und die meisten Laien sind einfach nur unsicher, was der Fremdkörper da inmitten des historischen Gebäudeensembles wohl zu suchen habe.

 

Es ist indes ein großes Glück für Freiburg, dass das Land und die Verantwortlichen vor Ort hier, an einem durchaus sehr markanten Ort, einen in seiner Intensität nur schwer zu überbietenden Kontrapunkt zwischen Gestern und Morgen gesetzt haben. Gerade in Freiburg, wo mutige Architektur viel zu selten in Stein gemeißelt worden ist. Der Glastropfen der PSD-Bank an der Basler Straße war auch so eine Provokation – im Bonsai-Format.

 

Der ebenfalls dunkle Diamant zu Freiburg.

Der ebenfalls dunkle Diamant zu Freiburg.

 

In Kopenhagen wurde Ende der 90er auch ein Diamant gebaut, der „Schwarze Diamant“, der die Königliche Bibliothek beherbergt und der – wie in Freiburg auch – nur wenige Meter neben einem fast 100 Jahre älteren Gebäude steht. Auch das ein Kontrast, sicher eine Zumutung für die Gleichförmigkeit. Mehr davon.

 

Text und Fotos: Lars Bargmann