Sie sind die Chefs von zwei der derzeit hippsten Läden der Stadt: Gerrit Kossmann ist der Geschäftsführer von Schmitz Katze im Stühlinger, Christian Rotzler macht unter anderem das „The Great Räng Teng Teng“ im Stadtzentrum. Beide Läden haben eine sich überschneidende Zielgruppe: Junge Leute, die nicht auf Schicki-Micki, sondern auf gute Musik aus sind. Gute Laune ist ihr Geschäft – aber wie ist die Stimmung, wenn Sie mit dem direkten Konkurrenten am Tisch sitzen? business-im-Breisgau-Redakteur Felix Holm hat’s rausgefunden.

 

bib: Welche Zielgruppe sprechen Sie mit Ihren Geschäften an?

 

Rotzler: Leute ab 21, Menschen, die die ganze Bandbreite von Rock’n‘Roll zu schätzen wissen. Eigentlich bedienen wir alles abseits des Mainstreams, ohne zu skurril zu sein. Wie wollen den Laden mit Studenten, Musiknerds und sonstigem Spaßpublikum füllen.

 

Kossmann: Vom Alter her sprechen wir mit unserem Kernprogramm auch bewusst Menschen ab 21 Jahren an. Alle musikbegeisterten Leute kommen zu uns. Wobei wir von der Musikschiene her verstärkt in die Elektrorichtung gehen. Wir machen aber auch Sachen für Kleine und ganz Kleine, etwas Kasperletheater oder Ähnliches.

 

bib: Wo liegt die Schnittmenge der beiden Clubs?

 

Rotzler: Ich glaube, es sind beides sehr kommunikative Läden…

 

Kossmann: Ja. Und auch beide mit einer klaren Linie geführt. So wie ich Deinen Laden kenne (blickt zu Rotzler), da merke ich Freundlichkeit, Hautfarbe und Sexualität spielen keine Rolle, alle sind willkommen.

 

Rotzler: Außer junge Nordafrikaner, die anderen Gästen in die Tasche greifen wollen.

 

Kossmann: Ja, das ist auch bei uns ein Problem. Seit Monaten. Mir haben sie das Portemonnaie im eigenen Laden aus der Hosentasche gezogen.

 

Zwei Männer, eine Branche: Gerrit Kossmann (Schmitz Katze) und Christian Rotzler (Räng Teng Teng)

Zwei Männer, eine Branche: Gerrit Kossmann (Schmitz Katze) und Christian Rotzler (Räng Teng Teng)

 

 

bib: Ist das ein neues Problem in der Clubszene?

 

Kossmann: Ja. Zumindest in der Häufigkeit. Seit einem halben oder dreiviertel Jahr ist das echt massiv.

 

bib: Was gefällt Ihnen am Club Ihres Gegenübers?

 

Kossmann: Als ich das letzte Mal im Räng war, das war, bevor ich die Katze überhaupt hatte, habe ich den Kicker sehr genossen. Ansonsten ist das einfach ein schöner, trashiger Laden, wie man es liebt: dunkel, verraucht, nette und schnelle Bedienungen. Servicequalität ist ganz entscheidend dafür, wie gut ein Laden ist.

 

Rotzler: Der Außenbereich in Schmitz Katze ist natürlich ein dickes Pfund, da können wir nicht mithalten (lacht). Ich  muss zugeben, dass ich, wenn ich elektronisch feiern gehen will, mich dort genau richtig aufgehoben fühle.

 

Kossmann: Hast Du die neue Anlage schon gehört?

 

Rotzler: Ja. Ich habe gerade überlegt, ob ich das auch noch sagen soll.

 

Kossmann: Das muss ja jetzt nicht hier rein…

 

Rotzler: Doch! Soundtechnisch seid ihr auch echt gut.

 

bib: Aber – unter uns – es gibt doch bestimmt etwas, was Ihnen beim Anderen gar nicht gefallen hat?

 

Kossmann: Habe ich nichts gefunden. Aber so gehe ich auch nicht in andere Läden rein, wenn ich nicht um ein Feedback gebeten werde. Was vorkommen kann.

 

Rotzler: Was ich ansprechen würde – und das wäre wahrscheinlich genau der gleiche Punkt, wenn meine Gäste über meinen Laden reden –, ist die Luft.

 

Kossmann: Wir haben einen Raucherraum, das ist die Bar. Da ist die Luft tatsächlich ein Problem. Aber die Clubgänger wollen rauchen. Und wenn du nicht mehr rauchen kannst, dann riechst du auf einmal den Schweiß – und das ist dann auch unangenehm.

 

bib: Schauen Sie manchmal aufs Programm des anderen, um zu wissen, wie sie selbst den Laden voll bekommen?

 

Kossmann: Gar nicht.

 

Rotzler: Ja gut. Es gab zwei drei Veranstaltungen, die die in der Katze gehabt haben, wo ich gedacht habe, das gehört eigentlich zu mir. Leider fällt mir der Name nicht mehr ein. Aber im Großen und Ganzen gibt‘s da keine Überschneidung.

 

bib: Wenn ich einen Club aufmachen möchte, welchen Tipp würden Sie mir geben?

 

Kossmann: Erstmal müssen Sie viel Geld mitbringen. Und dann muss eine gerade Linie zu erkennen sein – sowohl im Konzept als auch in der Arbeitsweise.

 

Rotzler: Ganz klar: Man muss sich eindeutig positionieren. Das haben wir zum Beispiel mit unserem anderen Laden, dem Dreieck, bislang noch nicht geschafft. Da feilen wir noch an einem ganz klaren Konzept. Im Herbst wollen wir da einen Kurs einschlagen, vorher bleibt aber erst einmal alles beim Alten.

 

Kossmann: Das ist eine große Aufgabe, die ihr da habt.

 

Rotzler: (lacht) Ist ja auch ein großer Laden. Fast schon unverschämt groß.

 

bib: Ein großes Thema, welches das Freiburger Nachtleben betrifft, ist die Einführung des kommunalen Ordnungsdienstes KOD. Ein Wort dazu?

 

Kossmann: Uns betrifft das kaum, auch weil wir dafür zu weit ab vom Schuss sind. In dieser Situation ist das ein echter Vorteil. Trotzdem: Ich finde das mit dem KOD riskant und bin nicht davon überzeugt. Aber das Ordnungsamt hier ist law&order-geführt. Da wird ein großer Teil, der die Stadt sehr bereichert, sehr eng gehalten.

 

Rotzler: Ich kann zu dem Thema nicht viel sagen. Mir war es nur wichtig, dass nicht die Sperrzeiten geändert wurden. Das wäre fatal gewesen, wenn man die auf drei Uhr verlegt hätte. Diese Probleme liegen aber in meinen Augen nicht unbedingt an der Stadtverwaltung, sondern an den Anwohnern.

 

Kossmann: Ja. Aber es liegt auch an der Gewichtung. Du hast einen Anwohner, der Terror macht– EINEN – in einem Gebiet, das voll belebt ist. Und dann gibt es große Konsequenzen für viele andere, die viel Geld investiert haben. Allerdings muss man auch sagen, dass es eben ein Miteinander ist. Man muss einfach miteinander reden und beide Seiten sollten Verständnis füreinander aufbringen. Ich habe mich gewundert, dass die Wirte der Innenstadt nicht zusammengelegt und ein eigenes Sozialteam zusammengestellt haben.

 

Rotzler: Wir haben ja unser Down-Town-Street-Team. Und als es um die Sperrzeitverlängerung ging, sind wir ja auch aktiv gewesen und haben schnell gehandelt. Das war aber auch ein kampagnenfähiges Thema, da sind die Leute gut drauf angesprungen, wir waren bei allen Gemeinderatsfraktionen vorstellig. Am Schluss ist dann der KOD auch ein wenig als Kompromiss durchgewunken worden.

 

bib: Unterm Strich: Ist Freiburg eine gute Stadt für Clubbetreiber?

 

Kossmann: Ja. Auf jeden Fall ist es eine sehr junge Stadt mit einer dementsprechend großen Zielgruppe. Und wenn wir gucken, was es an Angebot gibt, bin ich doch immer wieder erstaunt, wie das für alle Beteiligten funktioniert. Insbesondere für diese ganzen Schicki-Micki-Läden, die eigentlich alle dieselbe Zielgruppe haben.

 

Rotzler: Ich glaube, dass es schon auch Abende gibt, an denen es nicht so läuft. Bei uns ist das nicht so, aber ich finde es schon verwunderlich, dass insbesondere freitagabends doch manche Läden ein Problem haben, die Tanzfläche voll zu bekommen. Ich glaube, da wird es für manche auch so langsam schwierig.

 

Kossmann: Ok. Das bekommen wir da draußen so gar nicht mit.

 

Rotzler: Auch unter der Woche ging in meinen Augen früher mehr. Ich glaube ja, dass das auch mit diesen verkürzten Studiengängen wie Master und Bachelor zusammenhängt. So drängt sich alles aufs Wochenende.

 

bib: An dieser Stelle: Danke für das Gespräch. Oder gibt es noch etwas zu sagen?

 

Rotzler: Von meiner Seite aus nicht.

 

Kossmann: Nein, von meiner auch nicht. (zu Rotzler) Aber wir trinken irgendwann mal einen, oder?

 

Rotzler: Gerne.

 

INFOS:

 

The Great Räng Teng Teng vs. Schmitz Katze

 

Eröffnung: 2008 / 2012

Größe: 66 Quadratmeter (ab 67 dürfte man nicht mehr rauchen) / Bar: 80 Quadratmeter, Auditorium 160 Quadratmeter, Außenfläche 400 Quadratmeter.

Maximale Besucherzahl: 150 / 450

Ein Bier kostet: 2,80 Euro (0,3 Liter) / 3 Euro (0,3 Liter)

Internet: www.raengtengteng.com / www.schmitz-katze.com