Warum sich zwei Reihenhauskäufer mit dem Bauverein Breisgau streiten

Der Bauverein Breisgau (BVB) baut im Kirchzartener Baugebiet Am Keltenbuck derzeit 42 Miet- und Eigentumswohnungen sowie acht Reihenhäuser. Von einer „Bebauung, die Maßstäbe setzt“, berichtete im März nach dem Richtfest die BZ. Ein Maß aber war in der Reihenhausplanung nicht das rechte. Und darum werden sich Bauverein und zwei Käufer wohl demnächst vor dem Richter treffen.

Trügerische Idylle: Um die Reihenhäuser (vorne) gibt es Streit.

 

Für den Laien mag es nach einer Lappalie klingen: Der BVB hat in den Reihenhäusern bei einigen Innenwänden Gasbetonwände statt welche aus Gipskarton gebaut, wie es in der Baubeschreibung dokumentiert ist, die zu den im Kaufvertrag geschuldeten Dingen zählt. Grund war ein Planungsfehler: Die Werkplanung, die in der Regel lange nach Baugenehmigung und Baubeschreibung erstellt wird, offenbarte, dass mit Gipskarton kein bündiges Treppenhaus möglich wäre.

 

Als in den ersten Häusern die abweichende Bauweise umgesetzt war, kamen die beiden Nachbarn vorbei, die sich nun mit dem BVB nur noch per Anwalt unterhalten. „Der Bauverein hat seine Käufer nicht über die Änderung informiert. Gasbetonwände haben einen schlechteren Schallschutz, das hat ein Gutachter nachgewiesen. Wir haben hier einen Baumangel, der behoben werden müsste, aber die bauen einfach weiter“, sagt Nicolas Schill von der Baurechtskanzlei Steiger, Schill und Kollegen in Staufen.

 

„In der Baubeschreibung steht, dass wir von ihr abweichen können, wenn das wegen konstruktiver, statischer Notwendigkeiten erforderlich ist. Den Fall haben wir hier“, entgegnet BVB-Geschäftsführer Reinhard Disch. Die Gasbetonwände seien stabiler und teurer. Man habe noch Alternativen vorgeschlagen, die die Käufer aber allesamt nicht wollten. Den Schallschutzeinwand hält er für vorgeschoben: „Das schwächste Glied beim Schallschutz ist die Tür.“ Die anderen Käufer hätten mit der Ausführung kein Problem, manchen sei sie sogar lieber, weil man an einer Gasbetonwand größere Lasten befestigen kann. Disch vermutet, dass es dem Duo „eher ums Geld“ geht. Das hätten sie seinem Bauleiter gegenüber angedeutet. „Wir werden kein Angebot über einen Nachlass wegen eines angeblichen Baumangels machen.“

 

Für Schills Kollegin Nina Wolber ist indes klar, dass der BVB den Mangel und alles, was seither um diesen herum gebaut wurde, wieder beheben muss. Der Schaden liege pro Haus bei bis zu 20.000 Euro. Die Käufer haben bei der jüngsten Rate auf Anraten der Kanzlei gekürzt. Die müsse der BVB einfordern. „Das Verhalten des BVB ist nicht erklärbar. Noch könnte man sich außergerichtlich einigen“, sagt Wolber. Ansonsten vor dem Kadi. Das glaubt Disch nicht: „Ich sehe für die Käufer keine Chance.“

 

Streit über Baumängel zählen in der Kanzlei zum Tagesgeschäft. Bei einem Freiburger Bauträger ging es neulich um ein größeres Volumen: Es ging um 650.000 Euro.

 

Text: Lars Bargmann / Visualisierung: © Bauverein Breisgau