Die Freiburg Nuggets vertreten Deutschland bei der EM in Manchester

Wer denkt, Cheerleading ist nur Herumtanzen, der soll mal im Training vorbeischauen“, sagt Trainerin Petra Wolf. Stolz blickt sie auf die zwölf Cheerleader der Nuggets der Freiburger Turnerschaft, die sich im FT-Sportpark gerade auf die im Juli in Manchester anstehende Europameisterschaft vorbereiten. Einen Reisekostenzuschuss vom Rathaus gebe es leider nicht, so Wolf. So müssen sich die Goldstücke wieder selber in die Tasche greifen.

 

Für den Laien ist es beeindruckend zu sehen, wie viel Kraft und Körperbeherrschung hinter diesem Sport stehen. Akribisch bemühen sich die jungen Damen, ihre technisch schwierigen Stunts und Abläufe einzustudieren und das Ganze gleichzeitig mit Ausstrahlung und Spirit darzustellen.

 

Eine von ihnen ist Vera Sutter, 28, die bereits seit ihrem vierzehnten Lebensjahr im Verein „cheert“. Die Nuggets haben sich mit ihrem Freestyle Dance Team Golddust und dem Senior Allgirl Groupstunt II qualifiziert. Für Sutter ist es bereits die dritte EM in den vergangenen 15 Jahren. Sie war über einen Zeitungsartikel auf das Cheerleading-Programm der FT 1844 aufmerksam geworden und dann „einfach mal ins Training gegangen. Danach nahm alles seinen Lauf“, erzählt sie auf der Treppe vor der Sporthalle der Pestalozzi-Schule.

Erfolgreiche Goldstücke: Für die Cheerleader-Frauschaft der Freiburger Turnerschaft steht vor der Europameisterschaft ein hartes Training auf dem Programm.

 

Ihre Freundin Miriam von Scheibner, von allen nur „Mimi“ genannt, war schon beim ersten Besuch an Sutters Seite und hat mit ihr alle Höhen und Tiefen durchgemacht. Nach der EM wollen die beiden dann kürzer treten, denn die körperliche Belastung und der berufliche Stress erlauben ein so aufwändiges Engagement nicht mehr. Als Trainerinnen und Betreuer werden sie der Abteilung aber erhalten bleiben.

 

Und schon jetzt geben sie ihre Erfahrung an die anderen Mädchen weiter: „Es ist schön zu sehen und dabei helfen zu können, wie die jungen Cheerleader sich entwickeln und eingliedern“, erzählen sie, während sie ein paar Meter weiter die Übungen im Auge behalten.

 

Die Nachwuchsförderung ist alles andere als ein Selbstläufer, die Nuggets müssen sich auch jenseits des Sports stark einsetzen. Weil das Cheerleading immer noch ein Schattendasein fristet, ist es für die Cheerleader Vereinigung Deutschland und die Landesverbände schwer, die Teams finanziell zu unterstützen. Deswegen müssen auch die Familien mit anpacken. „Früher haben uns unsere Eltern natürlich ins Training und zu den bundesweiten Wettkämpfen gefahren. Ohne sie wäre das alles so nicht möglich gewesen“, blickt Sutter auf ihre Zeit in der Jugendabteilung zurück.

Cheerleading-Pionierinnen: Miriam von Scheibner & Vera Sutter geben ihre Erfahrungen weiter.

 

Wolf versucht zwar beharrlich, Hilfe von außerhalb zu finden, das gelingt aber nur in begrenztem Rahmen: „Wir bekommen einen für unsere Verhältnisse guten Etat von der FT, aber alle Kosten können wir damit lange nicht decken.“ Deswegen seien die Nuggets ständig auf der Suche nach Sponsoren.

 

Das Freiburger Rathaus hatte die Reisekosten zur Deutschen Meisterschaft in Hanau Mitte Mai bezuschusst, „für die Europameisterschaft wurde uns aber auch nach langem Bitten nichts gewährt“, sagt Wolf. Also müssen sich die Nuggets wieder an den Kosten beteiligen. Natürlich wollen sie in Manchester im Wettkampf erfolgreich sein, aber auch auf das Drumherum freuen sie sich. „Wenn sich die Zeit findet, werden wir natürlich auch in die Stadt gehen, um ein bisschen zu shoppen und zusammen zu feiern“, erzählen die jungen Frauen einhellig. Doch jetzt steht erst einmal wieder hartes Training auf dem Programm. Denn Cheerleading ist ja nicht nur Herumtanzen.

 

Text: Ingo Albert / Fotos: Ingo Albert & Privat