Rettet die Subkultur. Mit diesem Ziel haben sich neulich Künstler, Veranstalter und Kreative aus Freiburg zusammengeschlossen. Als Interessensgemeinschaft (IG) Subkultur veranstalten sie jetzt eine Konferenz. Drei ambitionierte Forderungen gibt’s dazu.

 

Engagiert: Julia Landenberger und Nicolas Rogow sind Sprecher des Kollektivs.

Engagiert: Julia Landenberger und Nicolas Rogoll sind Sprecher des Kollektivs.

 

„Wenn die Szene jetzt nicht zusammensteht, wird sie untergehen“, sagt Nicolas Rogoll. Der 26-jährige Sprecher der neu gegründeten IG Subkultur macht sich große Sorgen um Musiker, Clubs und Veranstalter in der Stadt. Er ist als DJ Michael Ellis Teil der Szene und findet: Es gibt kaum mehr Möglichkeiten zum Auflegen. Rund 25 Freiburger haben sich ihm an­geschlossen. Sie kriti­sieren, dass Clubs schließen, Proberäume fehlen, Partys untersagt werden.

 

Mit Julia Landenberger (31) vom Slow Club macht Rogoll Öffentlichkeitsarbeit fürs Projekt: „Bisher gab es nur einzelne Ansprechpartner in der Szene, jetzt soll man an uns rantreten können“, sagen sie. Mit dem Rathaus wollen sie einen Dialog auf Augenhöhe. Die Schuld wollen sie der Stadtverwaltung nicht in die Schuhe schieben – bemängeln aber restriktive Auflagen.

 

Drei Forderungen stellt die IG Subkultur: einen Popbeauftragten für die Stadt, Zuschüsse für Veranstaltungen und einen Projekt- und Proberaumkomplex. Um dem Nachdruck zu verleihen, veranstalten sie am 17. und 18. Februar eine Galanacht, Vorträge und eine Podiumsdiskussion.

 

Schmitz Katze

Ausgefeiert: Der Club Schmitz Kate hat zum Jahreswechsel dicht gemacht.

 

Was ein Popbeauftragter kosten könnte, wissen Rogoll und Landenberger noch nicht. Für den Posten fordern sie mindestens eine halbe Stelle, um „Pionierarbeit zu leisten“. Die Person solle netzwerken und Ansprechpartner sein für alle Seiten. Im noch zu beschließenden Doppelhaushalt 2017/2018 rechnen sie sich dafür Chancen aus. Das bekräftigt auch Stadt­rat Simon Waldenspuhl (Die Partei), der die Idee hatte, die IG zu gründen. In den Fraktionen gebe es die Bereitschaft, etwas zu tun. „Geld ist da“, sagt Waldenspuhl.

 

Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach gibt sich vorsichtiger. Die IG sei eine gute Initiative. Vor dem Finanziellen müsse man das aber erst mal inhaltlich füllen. Einen Ansprechpartner zu haben, findet er hilfreich. „Ich bin gespannt, was sich da entwickelt“, sagt der Bürgermeister.

 

Neugierig ist auch Stadtrat Atai Keller (Kulturliste-Freiburg): „Super, dass sich da junge Menschen einbringen.“ Er stellt aber die Frage, ob sich Subkultur organisieren lasse. Gespräche über einen Popbeauftragten habe es schon vor dem letzten Doppelhaushalt gegeben. Aktuell sei das Thema kaum an ihn herangetragen worden. So ein Kongress könne aber durchaus Signalwirkung haben.

 

Das erhofft sich die IG: Wie ein Lauffeuer habe sich die Initiative verbreitet, berichtet Landenberger. Ist es fünf vor zwölf? „Wir marschieren auf die Zwölf zu“, sagt sie. Noch sei Spielraum – den wollen sie nutzen.

 

Info

 

Die Interessensgemeinschaft Subkultur veranstaltet am 17. und 18. Februar eine Galanacht und eine Konferenz. Infos dazu gibt es auf der Homepage ig-subkultur.de

 

Text & Fotos: Till Neumann