Wenn die lange Rote Freiburgs inoffizielles Kulturgut ist, ist Rosi Freiburgs inoffizielle Kulturguthüterin: Seit mehr als 40 Jahren serviert sie beim Güterbahnhof Bockwürste, Currywürste & Co. Doch damit ist jetzt Schluss: Seit Anfang Mai sieht man kein vertrautes Gesicht mehr hinter dem Lavagrill des Imbisses „Die Wurscht“. Freiburgs Kult-Grillerin hat ihre Schürze an den Nagel gehängt.

Kult-Grillerin Rosi hängt die Schürze an den Nagel

 

„Es tut weh, mir wird das alles fehlen“, sagt Rosi und wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel. Bei Roswitha Thoma, die ihre Kunden nur als Rosi kennen, geht es nun zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht mehr um die Wurst.
In den 70er Jahren hatte sie gleich nach ihrem letzten Schultag als Aushilfe im Imbisswagen ihrer Mutter angefangen, ihn dann später selbst übernommen und wiederum gemeinsam mit ihrer Tochter geführt. Vor zwei Jahren dann der Umzug vom eigenen Imbisswagen in den roten Zollhof-Pavillon gegenüber, in dem der Glottertäler Metzger Ulrich Reichenbach „Die Wurscht“ eröffnete. Rosi erhoffte sich durch den Wechsel von der Unternehmerin zur Angestellten eine Entlastung. Es scheint nicht geklappt zu haben: „Ich bin körperlich kaputt“, sagt Rosi. „Für mich ist es an der Zeit, kürzer zu treten.“

 

Hat Reichenbach sie zu sehr eingespannt? Wer einen Skandal um Rosi wittert, dem tritt die Grillerin entgegen. Was ihren ehemaligen Chef angeht, kommt ihr kein böses Wort über die Lippen. „Ich will im Guten weggehen“, so die 57-Jährige. Ihre Zukunftspläne sind bescheiden: „Ein paar Tage wegfahren, zur Ruhe kommen.“ Und dann, falls es ihr gesundheitlich wieder besser gehen sollte, irgendwann irgendwo wieder zurück an den Grill.

 

Ein Leben ohne Wurst, das kann und will sie sich nicht vorstellen. „Die Leute sind nicht nur Kunden, sie sind wie eine Familie“, sagt Rosi an ihrem vorerst letzten Arbeitstag. „Einige habe ich schon als Kinder gekannt, und jetzt kommen die mit ihren eigenen Kindern zu mir.“ Nicht nur, um eine Wurst zu essen. Zu Rosi kam man, um sein Leid zu klagen, um ein Schwätzchen zu halten, um eine gute Freundin zu besuchen.

 

In den Pavillon ist nun ein Franchisenehmer eingezogen. Am Konzept soll sich nichts ändern: die Würste, die Preise, alles bleibt beim Alten. Und trotzdem – ohne Rosi ist es das Ende einer Ära.

 

Text & Foto: Tanja Bruckert