Es ist schwer, zufällig über Analia Linders Kunstwerke zu stolpern. Ihre Windlichter, sogenannte Fanales, findet man nämlich in keiner Boutique, sondern nur in ihrer zur Werkstatt umgebauten Remise in der Wiehre. Keine zwanzig Quadratmeter misst der Raum, in dem heißes Wachs auf zwei mobilen Herdplatten schmilzt, sich Windlichter aller Formen und Farben bis zur Decke stapeln – und wo meistens einer der Nachbarn, Kunden oder Freunde der lebhaften Argentinierin am weiß lackierten Holztisch sitzen und sie bei der Arbeit unterhalten.

Analia Linders
Aus einem Glühweinbehälter schöpft Linder das flüssige Parafin und gießt es in drei kleine Formen. Eine Kundin hat für den Geburtstag ihrer Mutter gelbe Windlichter bestellt, doch die Kunsthandwerkerin ist sich unsicher, wie sie diese verzieren soll: Mit den goldgelben Maiskörnern, die ihr Sohn gesammelt hat, oder doch lieber mit den zartgelben Blüten aus Argentinien?

Ihre nach argentinischer Tradition handgefertigten Wachslichter stellt Linder ohne künstliche Zusatzstoffe oder Lacke her und verziert sie mit Bändern vom Flohmarkt, Kaffeebohnen, Perlen, Steinen aus der Dreisam oder Austernschalen. „Manche Kunden bringen auch Muscheln aus dem letzten Urlaub mit“, erzählt sie, „daraus mache ich dann ganz persönliche Fanales.“

Ihre Kreativität auf ein einziges Feld zu beschränken, kommt für die 40-Jährige nicht in Frage. So bastelt sie zudem mit Kindern Puppenhäuser aus Waschmittelflaschen, macht Gipsabdrücke von winzigen Babyhänden oder verwandelt Sektkorken in Fliegenpilze, Geishas und Sumo-Ringer. Leben kann die zweifache Mutter von ihren Kunstwerken nicht – ihr Mann sorgt für den Unterhalt der Familie.

Dabei hat Linder durchaus einen seriösen Beruf erlernt. In ihrer Heimat Buenos Aires hat sie sich zur PR-Beraterin ausbilden lassen, was ihr jedoch keine Freude gemacht hat. Mit 20 Jahren hat sie sich daher auf Rucksacktour durch Südamerika begeben: mit dem Zelt in Brasilien gecampt, in einem Bus mit 18 Nonnen die Anden überquert, durch Chile getrampt. Nach Freiburg ist sie dann einem deutschen Mann gefolgt und hat hier 2004 ihre ersten Fanales hergestellt. Heute verkauft sie ihre Windlichter ab vier Euro auf Märkten, im Online-Shop und vormittags in ihrer Werkstatt.

Während ihr Geschäft zur Weihnachtszeit boomt, flaut es im Sommer kräftig ab. Linder kann das nicht verstehen, schließlich heißt ihr Geschäft nicht umsonst „Luz de Luna“ – Mondlicht: „Ein romantischer Abend auf der Terrasse bei Mondschein und dem schimmernden Licht der Fanales ist etwas ganz Besonderes.“

Text & Foto: Tanja Bruckert

Info:
Luz de Luna
Kronenstr. 33, 79100 Freiburg
Tel. 0173/7207627
www.luzdeluna.de
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