Verdutzt bleibt der Journalist stehen: Auf dem Grabstein hinter dem Bauzaun steht ein Name, der nicht nur in Freiburg immer wieder heftige Reaktionen auslöst: Hans Filbinger. Der stark umstrittene ehemalige Ministerpräsident Baden-Württembergs (1966 bis 1978) hatte zuletzt nach seinem Tod am 1. April 2007 für Aufruhr gesorgt, weil sein Nachfolger im Amte, Günter Oettinger, bei einem Requiem im Freiburger Münster samt anschließendem Staatsakt Filbingers Lebenswerk und Verhalten im Nationalsozialismus so würdigte: „Hans Filbinger war kein Nationalsozialist. Im Gegenteil: Er war ein Gegner des NS-Regimes. Allerdings konnte er sich den Zwängen des Regimes ebenso wenig entziehen wie Millionen andere.“

 

 

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Nicht nur der Historiker Paul Nolte warf Oettinger hernach Geschichtsfälschung vor, denn der NS-Marinerichter habe die Nazi-Justiz nicht nur mitgetragen, sondern mindestens eine vermeidbare Hinrichtung zu verantworten gehabt. Der CDU-Politiker wurde auf dem Friedhof in Freiburg-Günterstal bestattet. Sein Grabkreuz aber, auf dem auch der Name seiner Frau Ingeborg verewigt ist, steht heute noch in einem Lager von Blumen Stahl auf dem Güterbahnhof. „Warum wollen Sie wissen, warum das Kreuz da steht“, fragte der Geschäftsführer Alexander Stahl. Er könne, ja dürfe gar nichts dazu sagen: „Wir mussten da was unterschreiben.“ Ja, er habe den Auftrag für das Kreuz gekommen, die Familie sei sich aber noch uneinig, ob es auch aufs Grab komme.  Oettinger hatte sich wenige Tage später bei den Opfern der NS-Justiz entschuldigt und musste den Satz „Er war ein Gegner der NS-Justiz“ zurücknehmen.

 

Text/Bild: Lars Bargmann