Free From Food: Der Name ist Programm bei der neuen Fachmesse, auf der Einzelhandel und Gastronomie kürzlich zum ersten Mal in Freiburg ihre „Free From“-Lebensmittel vorgestellt haben. Frei von Gluten, Laktose, Zucker, Fleisch oder Gentechnik – eine Messe, bei der Allergikern, Vegetariern und Biofreunden das Herz aufgeht. Wer denkt, Lebensmittelunverträglichkeiten seien nicht trendy, kann sich von Messechef Klaus W. Seilnacht eines Besseren belehren lassen: „Gesunde Ernährung sowie der Umgang mit Lebensmittelunverträglichkeiten und Allergien sind absolute Trendthemen.“ Das chilli hat die Messe besucht und sich auf die Suche nach eben diesen Trends gemacht.

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Glutenfreie Schokopops, Nudeln in Dinoform, Hähnchenpanaden oder Triple-Choc-Muffins – vor allem Menschen mit Getreideunverträglichkeit finden an den Ständen zahlreiche Produkte, von denen sie bisher nicht einmal ahnten, dass sie sie wollen.

Am ersten Stand offeriert eine adrette Dame, die zwar Paris heißt, aber aus London kommt, in feinstem British English ihr „Superfood“: Goji-Beeren, die vor Vitamin C nur so strotzen sollen, geschrotete Leinsamen, die mit ihrem Omega 3 und 6 angeblich gegen Depressionen helfen und die man anstelle von Eiern in den Kuchen gibt, oder auch Rote-Beete-Pulver, das nicht nur gut fürs Herz sein soll, sondern auch jedes Risotto zart erröten lässt (www.alara.co.uk).

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Standwechsel: Bei Heirler heißt es nicht mehr, sondern weniger. Und zwar weniger Fleisch. Dass die abgepackten Cordon Bleus, Frikadellen und das Pfannengyros nur aus Soja oder Weizeneiweiß bestehen, merkt man nicht beim Blick auf die vermeintlichen Fleischwaren, sondern auf die Verpackung: Mehr als vier Euro wandern für 200 Gramm Cordon Bleu in die Reformhauskasse. Dass Aussehen nicht alles ist, beweisen die Leberwurstbrote, die zum Probieren bereitliegen: Sich einen Brühwürfel aufs Brot zu streichen, kommt den Vegetarier günstiger. „Nicht bei allen Produkten können wir den Originalgeschmack genau treffen“, erzählt der Verkäufer, „doch wenn Sie etwa die Hackfleischbällchen in eine kräftige Tomatensauce geben, werden Sie keinen Unterschied mehr schmecken“ (www.heirler.de).

„Vor sechs bis sieben Jahren war ein typischer Branchenwitz, dass die Verpackung besser schmeckt als das Produkt selbst“, erzählt eine Business-Managerin für glutenfreie Produkte. Dass das nicht mehr Stand der Dinge ist, beweisen nicht nur ihre leckeren Kekse, sondern auch die belgische Schokolade vom Nachbarstand, die vollkommen ohne Zucker auskommt: Zauberwort Stevia. Zwanzig Prozent weniger Kalorien ist die Bilanz der mit dem natürlichen Süßstoff versetzten Schokolade, die absolut nichts an Geschmack vermissen lässt (www.cavalier.be). Weniger ist manchmal eben doch mehr.


Text & Foto: Tanja Bruckert