„Ich steige mit einem Rucksack [in ein Sammeltaxi] ein und weiß, was jeder denkt: Bombe oder keine Bombe? Die absurde Frage gehört hier zum Alltag.“ So beginnt Andreas Altmanns Reise durch das „Heilige Land“ Palästina. Es geht entlang eingemauerter Siedlungen, durch Tore unter Stacheldrahtrollen, vorbei an Soldaten mit der M16 im Anschlag. Durch ein Land, in dem der Nachbar kein Palästinenser oder Israeli, sondern ein potenzieller Mörder ist.

 

Altmann reist durch Städte und Dörfer, kommt ganz unterschiedlichen Menschen nahe, mit dem Ziel zu verstehen, woher das festgesetzte Feindbild und der unbändige Hass kommen. Es ist keine Führung eines objektiven Beobachters. Altmann hält mit seiner Meinung nicht hinterm Berg, sondern empört sich über die „Vernagelten“ auf beiden Seiten: Die Israelis, die jeden Tag Siedlerhäuser auf nicht-israelischem Gebiet errichten, und die Palästinenser, die mit Gegengewalt reagieren.

 

Es ist eine Reise voller Brutalität aber auch Schönheit, die weder den Autor noch den Leser kalt lässt. Am letzten Tag geht es mit dem Zug nach Haifa. Als Altmann eine Schachtel unter dem gegenüberliegenden Sitz entdeckt, bricht ihm der Angstschweiß aus. Die „absurde Frage“ ist zur Realität geworden – auch wenn sich herausstellt, dass in dem Paket nur Wäsche und Zahnbürste sind.

 

Cover_Verdammtes-Land

 

 

Andreas Altmann

Verdammtes Land. Eine Reise durch Palästina

256 Seiten

Piper Verlag, 2014

Preis: 19,90 Euro

 

Text: Tanja Bruckert

 

Info: Altmann liest am 11.4. im Freiburger Bettenhaus Stiegeler