Zankapfel Platz der Alten Synagoge

Er ist neben den Münsterplatz der zentrale Platz in Freiburg, der zwischen Universität und Theater, zwischen neuer Universitätsbibliothek und Bertoldstraße, der Platz der Alten Synagoge. Und obwohl die gemeinderätlichen Beschlüsse zur Neugestaltung längst gefallen sind, gibt es immer neue Vorschläge, wie man den von der Arbeitsgemeinschaft um den Architekten Volker Rosenstiel und die Landschaftsarchitekten von Faktorgrün geplanten Platz doch ganz anders, doch viel besser machen könnte.

Es grünt so grün: Der nach anfänglicher Kritik schon deutlich grünere Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Rosenstiel/Faktorgrün (links) ist der Kampagne „Wiese statt Steinwüste" (rechts) noch nicht grün genug. Wer den Vorschlägen der Liste Freiburg Lebenswert ...

 

Da gibt es den Vorstoß der beiden Freiburger Gregor Mohlberg und Georg Spoo, die es geschafft haben, 5000 Stimmen hinter einer Petition zu versammeln, die im Kern mehr „Wiese statt Steinwüste“ fordert. Durchaus ein starkes Zeichen der Unzufriedenheit mit der beschlossenen Planung. „Wir wollen zwar zu einem späten Zeitpunkt, aber noch keinem zu späten Zeitpunkt, einen konstruktiven Beitrag zur Optimierung der aktuellen Planung leisten.“ Ziel sei ein Platz mit Aufenthaltsqualität, der zum Verweilen und Aufhalten einlädt. Die bisher geplanten „wenigen und eintönigen Sitzgelegenheiten“ und die große Steinfläche würden aber vor allem einen „Durchgangsplatz“ schaffen.

 

Die neu in den Gemeinderat eingezogene Bürgerliste „Freiburg lebenswert“ – die Oberbürgermeister Dieter Salomon neulich im Kreise von Journalisten als „Freiburg lähmenswert“ bezeichnet hatte – hat auch noch mal nachgedacht und legt nun einen vom Listenmitglied Klaus Zipsin erarbeiteten Vorschlag vor. „Es kann nicht sein, dass das Zupflastern des Platzes, den mittlerweile alle Experten, die meisten Gemeinderäte, die Studentenvertreter und vor allem die meisten Bürger Freiburgs als falsch und für die Stadt schädlich beurteilen, ungeachtet aller Bedenken zugelassen wird“, heißt es in einer Pressemitteilung. Hernach wird es polemisch: „Will man bewusst den Platz so gestalten, dass sich möglichst niemand dort aufhält? Damit Ruhe herrscht? Welche Rolle spielt die Universität? Wer kann diesen irrsinnigen Schildbürger-Streich noch ver- hindern? Wer hat endlich ein Einsehen und kann der Vernunft doch noch zum Erfolg verhelfen?”

... folgen wollte (oben), der könnte hingegen die Steinlieferung gleich wieder komplett stornieren.

 

Die indes durchaus konstruktive Idee von Zipse: Unter dem Platz läuft diagonal noch ein Teil des nördlichen Gewerbebachs. Wenn diese Idee vor zehn Jahren auf den Tisch gekommen und mit der Bürgerschaft diskutiert worden wäre, wer weiß, ob sie nicht in die Planung hätte implementiert werden können. Die Grünen erinnerten dann im August daran, dass die beschlossene Neugestaltung Produkt eines zehnjährigen Planungs- und Beteiligungsprozesses ist. „Wir weisen die Vorwürfe entschieden zurück, dass die Planung unausgereift, ökologisch fragwürdig und über die Köpfe der Bürgerschaft beschlossen worden sei.“ So werden die neuen Vorschläge Eingang in die Akten finden, aber nicht mehr an den Beschlüssen rütteln. Zumal der Platz samt Stadtbahntrasse spätestens 2018 umgebaut sein muss, damit der Stadt nicht die Zuschüsse verloren gehen. Eine Verzögerung wäre riskant. Nach Baubürgermeister Martin Haag werden die Arbeiten schon bald ausgeschrieben.

 

Text: Lars Bargmann / Visualisierungen © Rosenstiel Architekten / privat / Klaus Zipsin