Der Leitwolf spürt, dass seine Zeit vorbei ist. Den letzten Weg ins Todes-Moor muss er alleine gehen. Obwohl es seinen Stolz verletzt, ist er froh, dass Welf, sein Sohn und Nachfolger, einen Pakt mit den Raben geschlossen hat. Die Aasfresser haben versprochen, Wolf nicht anzugreifen. Dafür wird das Rudel im Winter seine Beute mit den Raben teilen müssen.

 

In klaren, präzisen Sätzen beschreibt der Freiburger Autor Oliver Bantle Wolfs Trauer, Ohnmacht und Schmerz, aber auch seine Sehnsucht, Hoffnung und Freude. Der ehemalige Herrscher des Waldes trifft auf seinem Weg viele alte Bekannte wieder, darunter Feinde, Verwandte und Tiere, die ihn um Rat fragen. Was tut ein Wolf gegen die Angst? Wie fühlt es sich an, jemanden zu töten? Gibt es wirklich den großen Wald im Jenseits, in dem man seine Liebsten wieder trifft?

 

Schon in seinem ersten Lebenskunst-Roman „Yofi oder die Kunst des Verzeihens“ hatte Bantle bewiesen, dass selbst ein jähzorniger Nashornbulle zu philosophischen Erkenntnissen fähig ist. Die moderne Fabel „Wolfs letzter Tag“ hat noch mehr Tiefgang. Der literarische Ratgeber kann jedem, der mit dem Thema Abschied konfrontiert wird, wertvolle Einsichten über Leben und Sterben aufzeigen.

 

Text: Sebastian Bargon

 

"Wolfs letzter Tag" von Oliver Bantle

 

 

 

 

 

 

Oliver Bantle
Wolfs letzter Tag
Ein Lebenskunst-Roman
116 Seiten, gebunden
Tigerbaumverlag, 2014
12,80 Euro