Sicherheit ist eine Illusion, da kann man noch so viel suchen und noch so viel Geld haben. Jonas ist ein Getriebener, ein Heimatloser. Im Angesicht des Mount Everest will er wieder an seine Grenzen stoßen und sie überwinden. Er flieht wie immer vor dem Leben; vor allem aber flieht er vor der enttäuschten, der großen Liebe.

 

Marie, so schien es, hatte den Suchenden fast eingefangen. Oben in einem durch und durch touristischem Himalaya zwischen Sauerstoffmangel, Fieberwahn und Wetterumschwüngen lässt Jonas sein Leben Revue passieren: Die Kindheit, die er nicht bei seiner trinkenden Mutter, sondern finanziell sorgenfrei beim dubiosen Geschäftsmann Picco verbringt. Der behinderte Bruder, der Sadisten zum Opfer fällt. Die erste kleine Liebe. Sein bester Freund Werner. Und die halsbrecherischen Fahrten mit dem Traktor in der österreichischen Heimat.

 

Dann die Reisen nach Montevideo, Rom, Tokio, Hamburg. Überall hin flieht der Protagonist des neuen Romans von Thomas Glavinic. Der österreichische Schriftsteller, der als einer der Radikalsten seiner Zunft gilt, hat ein interessantes, romantisches, manchmal aber auch ermüdendes Märchen verfasst – nah an den Abgründen menschlichen Daseins. Zurück bleiben ein hungriger, fragender Held und ein manchmal fragender, nie aber gelangweilter Leser.

 

Text: Dominik Bloedner

 

Cover-Glavinic

 

 

Thomas Glavinic

Das größere Wunder

528 Seiten, gebunden

Hanser Verlag, München 2013

22,90 Euro