Es wird eine Zangengeburt, aber nun ist Hansjörg Märtin auf der Zielgeraden: In Kürze will er den Kaufvertrag mit der Stadt Freiburg über ein 15.500 Quadratmeter großes Grundstück zwischen den Möbelhäusern Braun und XXX Lutz an der Hermann-Mitsch-Straße unterzeichnen. Wenn alles gut läuft, soll der Spatenstich für ein neues Autohaus noch in diesem Jahr erfolgen. Märtin stellt damit die Weichen für die Zukunft des Unternehmens, das mit 170 Beschäftigten rund 75 Millionen Euro im Jahr umsetzt.

 

Die Tage an der Ecke Breisacher Straße und Berliner Allee sind gezählt. Ende 2016 läuft der Pachtvertrag aus, das Grundstück gehört der Burtsche-Familie, die hinter dem Autohaus das Hotel Stadt Freiburg betreibt – und mutmaßlich nach dem Auszug von Märtin auf dem rund 14.000 Quadratmeter großen Areal Neubaupläne hegt. Auf der anderen Straßenseite hat Peter Unmüssig einen 44 Meter hohen Turm gebaut. Das übt womöglich einen Reiz aus.

Formschöner Hauskörper: So wird  (hier exklusiv im chilli zu sehen) die Struktur der Neubauten aussehen. Märtin hatte eigens einen Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Gewonnen hat den das Freiburger Büro Geis & Brantner. Der Würfel im Hintergrund zeigt ein neues Reifenlager.

 

Märtin guckt von seinem Büro aus direkt auf die durchaus spektakulären neuen i8 und den kleineren i3, den auch Freiburgs Baubürgermeister Martin Haag fährt. Wer als Händler i-Partner von BMW werden möchte, an den stellen die Bayern hohe Ansprüche – die viel Geld kosten, was sich bei der kurzen Restlaufzeit des Vertrages an der Breisacher Straße (Burtsche wollte dem Vernehmen nach maximal bis 2018 verlängern) nicht mehr amortisiert hätte. Bei der Suche nach einem neuen Grundstück war dann die Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH (FWTM) „extrem behilflich“, sagt Märtin.

 

Denn das neue Grundstück besticht planerisch nicht gerade durch besondere Simplizität: Da gibt es eine Straße, die verlegt werden muss, einen Bach, eine Wagenburg, die leicht und eine Gasleitung, die komplett verlegt werden muss. Zudem eine Vorhaltetrasse für eine Tram nach Hochdorf, einen Bebauungsplan, der geändert werden muss, und nicht ganz einfache Umweltschutzbelange. Und da gab es auch komplexe Eigentums- und Erbbaurechtsverhältnisse, die aber mittlerweile dank der FWTM und der Stadtspitze gelöst sind. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass es nun bald losgehen kann“, sagt der 53-Jährige im Gespräch mit dem chilli – und unterschreibt ein paar Stunden später den Bauantrag.

 

Märtin baut sein neues, millionenschweres Autohaus unter langfristigen Aspekten als Multifunktionshaus mit einer Bruttogeschossfläche von 12.000 Quadratmetern. 1200 sind als Bürofläche auch für Dritte zu mieten. Ob er lieber an der Breisacher Straße geblieben wäre? „Für mich ist das neue Grundstück eine 1-A-Lage“, sagt er. Die Möbelhäuser, die Messe, die Uni, das Stadion – all das bringe Frequenz. Und nicht nur die Parkplatzsituation wird sich deutlich verbessern, weil noch zusätzliche 2500 Quadratmeter auf der Vorhaltetrasse genutzt werden können – wer weiß schon, ob die Tram nach Hochdorf je gebaut wird. Es zeugt von Unternehmergeist, auch bei einer solchen Zangengeburt unbeirrt an den Erfolg zu glauben. In Freiburg. Dort, wo Grundstücksgeschäfte traditionell alles andere als simpel sind.

 

Text: Lars Bargmann & Foto: © Visualisierung: Geis & Brantner / Märtin