Mehr hart als herzlich

Achtes Album, aber kein bisschen altersmüde: Seit nunmehr 19 Jahren spucken die Emil Bulls ihre lauten Töne. Auch auf ihrem neuen Werk macht der deutsche Gegenentwurf zu Bands wie Linkin Park, Rage Against The Machine oder Korn wieder ordentlich Krach. Dabei ist „Sacrifice To Venus“ alles andere als eine ausschließlich zornige Metal-Scheibe, wie man sie von jüngeren Bands kennt. Wirklich brettharte Stücke und mainstream-tauglichere Songs wechseln sich ab.

Wahrscheinlich liegt in dieser Dualität auch die Beständigkeit der Münchner begründet. Sänger Christof von Freydorf ist einer derjenigen, die es verstehen, auch den genre-typisch wütenden Gesang mit melodiösen Passagen zu verbinden: Manchmal klingt er, als würde er gerade ne quer gerauchte Stange Marlboro auskotzen, dann wieder, als wolle er demnächst ein Demo-Tape für eine gemäßigte Rockband abschicken.

"Sacrifice to Venus" von Emil Bulls
Genau in den Stücken, in denen letzteres überhand nimmt, liegt die einzige Schwäche des Albums: Den hartgesotteneren Fans der sehr live-tauglichen Kombo dürften die Songs, in denen der Tacho eher überdreht wird, wesentlich besser gefallen. Besser heißt in dem Fall aber: Dermaßen gut, dass man über das ein oder andere dünnere Liedchen gerne hinweghört. Auch weil Drummer Klaus Kössinger sich über weite Strecken das Herz aus dem Leib trommelt. Wahrscheinlich sein Opfer an die Venus. Gut so.

Emil Bulls
Sacrifice To Venus
AFM-Records – 2014


Text: Felix Holm