Das wird nicht auf Beifall stoßen: Für 3489 frei finanzierte von insgesamt knapp 9000 Wohnungen wird die Freiburger Stadtbau GmbH am 1. September die Miete im Schnitt um elf Prozent erhöhen. Zuvor war der Mietzins drei Jahre lang unverändert. „Wir bleiben damit aber noch unter dem gesetzlich Möglichen und verzichten auf 315.000 Euro“, sagt FSB-Geschäftsführer Ralf Klausmann im Gespräch mit dem Freiburger Stadtmagazin chilli. Auf der anderen Seite wird die in einem Schreiben an den FSB-Aufsichtsrat als „Mietanpassung“ firmierende Erhöhung jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Euro an Mehreinnahmen bringen. Geld, das die FSB zum einen in die zügigere Modernisierung des Bestandes stecken will – um die zweite Miete, die Nebenkosten, zu verringern – und zum anderen in den Neubau geförderter Wohnungen.

Auch die roten Häuser am Tennenbacher Platz zählen zum Vermögen der Stadtbau.

 

Die Mieter einer beispielhaften 50 Quadratmeter großen Wohnung müssen nach der Erhöhung monatlich 28,60 Euro mehr berappen. Über alle Wohnungen gerechnet – die Bewohner wurden per Brief informiert – ergibt sich ein Plus von 36,43 Euro. Damit wird sich die Durchschnittsmiete in diesen 3500 Wohnungen von jetzt 5,15 auf 5,72 Euro verteuern. Klausmann betont aber, dass sie damit immer noch 24 bis 25 Prozent unter dem Mietspiegel liegt, der derzeit bei 7,53 Euro pro Quadratmeter (netto, kalt) rangiert. Das stimmt für den Fall, dass die Wohnungen tatsächlich mit anderen in der jeweiligen Nachbarschaft vergleichbar sind. „Wir rechnen natürlich mit Protesten, aber wir meinen, dass das immer noch sehr attraktive Mieten sind und rechtlich sowieso nichts falsches machen“, so Klausmann. Das Vorgehen, die Mieten peu à peu an den Mietspiegel anzupassen, hatte das Aufsichtsgremium bereits 1995 beschlossen.

Nach seinen Angaben steckt das kommunale Wohnungsbauunternehmen jedes Jahr 50 bis 60 Millionen Euro in Sanierungen und den Neubau. Den geplanten neuen Stadtteil im Dietenbach-Areal sieht der Geschäftsführer als „dringend notwendig“. Ob die FSB aber auch dort geförderten Wohnungsbau machen kann, sei politisch noch unklar. Auch auf dem Güterbahnhof bewirbt sie sich für Flächen: „Wir haben schon im Rieselfeld bewiesen, dass wir mit gemischt genutzten Immobilien, wie im Güterbahnhof gefordert, gut umgehen können.“

Zudem ist Klausmann gespannt auf die Entwicklungen im Freiburger Süden, wo mit dem Areal der Polizeiakademie zwischen der Götz+Moriz-Fläche entlang der Bahnlinie und der eigenen ECA-Siedlung – gebaut von der amerikanischen Economic Cooperation Administration – am Rande von Haslach eine mächtige Innenentwicklungsfläche überplant werden könnte. Noch bis in die 90er Jahre war die Stadtbau, die Nachfolgerin der Siedlungsgesellschaft, fürs Freiburger Rathaus ein Zuschussgeschäft. Nach einem Richtungswechsel – und auch der Verpflichtung von Klausmann – macht sie regelmäßig Gewinne im Millionenbereich. Und das stößt bei der Konzernmutter dann doch auf Beifall.

Text: Lars Bargmann / Foto: Stadt Freiburg