Nicht jeder Investor kann einfach mal so zur Aurelis Real Estate GmbH und Co. KG gehen und für schlanke 125 Euro einen Quadratmeter Freiburger Güterbahnhof kaufen. Die Freiburger Wirtschaftsimmobilien GmbH (FWI) aber, sie gehört zu 70 Prozent der Sparkasse Freiburg und zu 30 der Freiburg Wirtschaft, Touristik und Messe GmbH (FWTM), kann es aufgrund ihrer starken Position im politischen Machtgefüge der Stadt Freiburg. Diese hat sie sich zunutze gemacht und jetzt vier Hektar auf Freiburgs jüngstem Vorzeigequartier erworben, für nur fünf Millionen Euro. Wenn die Flächen im nördlichen und nordwestlichen Bereich des 1905 eröffneten Güterbahnhofs erschlossen sind, will die FWI diese für rund 180 Euro an kleine Handwerksbetriebe und kleinere Produktionsunternehmen veräußern.

Flächen fürs Handwerk: Die gelb markierte Fläche hat die FWI jetzt gekauft.

 

Vor zehn Jahren wollte die FWTM noch den kompletten Bahnhof von der Aurelis kaufen. Das war aber an den stark unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert. „Der Güterbahnhof ist die wichtigste stadtentwicklungspolitische Fläche in Freiburg“, sagte Baubürgermeister Martin Haag beim Unterzeichnen des Kaufvertrags. „Das ist ein weiteres Mosaiksteinchen in der Entwicklung, der Knoten wird dann platzen, wenn das Planungsrecht da ist“, befand Aurelis-Geschäftsführer Thaddäus Zajac. „Es waren lange und schwierige Verhandlungen“, ließ sich FWTM-Geschäftsführer Bernd Dallmann in die Karten blicken. „Freiburg ist nicht die Stadt der rauchenden Schlote, sondern der rauchenden Köpfe“, wies Sparkassen-Vorstand Marcel Thimm trefflich auf die künftige Nutzung der anderen Flächen auf dem insgesamt 41 Hektar großen Areal hin. Sechs Hektar – mithin neun Fußballplätze – sind übrigens allein für Ausgleichsflächen reserviert, auf denen vor allem die artengeschützte Mauereidechse sich wohlfühlen soll. Ortskundige, die etwa das aufwendige Anlegen der zahlreichen Steinriegel beobachten, können übrigens durchaus auf die Idee kommen, dass für die Podarcis muralis mehr gemacht wird als für manche zweibeinige Randgruppe.

Bekannt war bei der Vermarktung bisher nur, dass die Lokhalle und die Gebäude rund um die Kantina an Freiburger Private verkauft wurden. Und dass der Architekt Wolfgang Frey ein knapp 5600 Quadratmeter großes Areal zwischen Neunlinden- und Zollhallenstraße gekauft hat und darauf unter anderem einen 48 Meter hohen Turm plant. Dem Vernehmen nach wollte Frey übrigens energetisch so ambitioniert bauen, dass es die Bedingungen in den bestehenden städtebaulichen Verträgen – in denen die Badenova als Energiedienstleister festgeschrieben wurde – überfordert hätte. Ein Kuriosum in der Green City.

„Geplant ist ein ökologisch vorbildliches Gewerbe- und Mischgebiet“, heißt es dazu in einer Pressemitteilung der FWTM. Für die Wärmeversorgung soll ein Blockheizkraftwerk im Alten Zollhof gebaut werden, das biologisch mit Gas aus der Maisernte am Kaiserstuhl und im Markgräflerland gespeist und dann über ein Fernwärmenetz verteilt wird.

Exklusiv hatte das chilli zudem berichtet, dass die Verantwortlichen des Herder-Verlags für rund 17 Millionen Euro den Alten Zollhof erworben hatten. Wer die anderen Käufer von drei weiteren bereits verkauften Grundstücken sind, wollten die Vertreter aus dem Rathaus, von der FWTM und der Aurelis indes nicht preisgeben.

Nach Recherchen des chilli ist der Käufer des 8000 Quadratmeter großen Baufelds zwischen dem Zollhof und dem noch stehenden Schenker-Turm die P + B Planen + Bauen GmbH & Co. KG aus St. Augustin. Sie hat bereits den Bauantrag für ein Wohnheim mit 350 Studierenden eingereicht. Ein 3800 Quadratmeter großes Grundstück an der Waldkircher Straße haben sich führende Köpfe der Simon Druck GmbH und Co. KG um Geschäftsführerin Claudia Simon gekauft. Und schließlich hat das Freiburger Immobilien Büro oder zumindest dessen Geschäftsführer Jochen Geiselhart direkt hinterm Zollhof noch eine 2150 Quadratmeter große Fläche erworben.

Insgesamt werden auf dem Güterbahnhof rund 390.000 Quadratmeter neue Flächen entstehen, 80.000 sind fürs Wohnen reserviert. Je nach Größe der Wohnungen können auf dem Quartier also mal 1500 bis 2000 Menschen wohnen. „Ein Vorteil des mischgenutzten Stadtteils ist es, dass auch der derzeit angespannte Wohnungsmarkt entlastet werden kann“, so Baubürgermeister Haag.

Die FWI will die ersten Grundstücke im kommenden Jahr vermarkten, die letzten entlang der Ausgleichsflächen an den Gleisen erst 2017. Bernd Dallmann sprach von einer „schwarzen Null“, die die Stadt- und Sparkassentochter mit der Vermarktung anstrebe. Der von Zajac erwähnte Knoten bei der Vermarktung wird nicht platzen, er wird sich peu à peu lösen. Es sei denn, jeder Investor kann für 125 Euro einen Quadratmeter Güterbahnhof kaufen.

Text: Lars Bargmann / Foto: FWTM