Um 570 Millionen Euro haben dubiose Finanzvermittler leichtgläubige Anleger im Jahr 2010 geprellt. So steht es in der jüngsten Kriminalitätsstatistik für die Bundesrepublik. Das Manager Magazin will sogar wissen, dass Anlegerschützer und Bundeskriminalamt den jährlichen Schaden durch „betrügerische Kapitalmarktbuden“ auf rund 40 Milliarden Euro schätzen. Es war zwar nun kein so großer Fisch wie der Finanzmanager Helmut Kiener, der 5000 Anleger um 300 Millionen Euro betrogen hatte und dafür im vergangenen Juli zu zehn Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden war. Aber der 43-jährige Freiburger, der sich neulich vor dem Amtsgericht wegen Anlagebetrugs verantworten musste, hatte immerhin bei rund 20 Menschen mehr als 675.000 Euro eingesammelt und das Geld – statt es für seine Kunden anzulegen – in ein Haus gesteckt. Richter Lars Petersen schickte den Freiburger für zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.


Der Mann auf der Anklagebank arbeitete zwischen 2006 und 2011 als Finanzdienstleister, band seinen Kunden einen Bären auf und leistete ihnen damit einen Bärendienst. „Es gab viele Geschädigte. Als der Erste eine Anzeige erstattet hat, sind die Untersuchungen ins Rollen gekommen“, erzählt Staatsanwalt Ralf Langenbach. In dem Fall hatte der Mann das Geld eines Darlehens für eine Solaranlage in die eigene Tasche gesteckt. „Bei der Untersuchung ging man anfangs von 100.000 Euro Schaden aus“, so Langenbach. Das war im Frühjahr 2011. Die Hausdurchsuchung bei dem 43-jährigen Freiburger aus dem Westen der Stadt ließ am Ende die stolze Summe von 676.548 Euro auf dem Taschenrechner erscheinen. Der Angeklagte gestand, Langenbach forderte drei Jahre, die Verteidigung plädierte auf weniger als zwei Jahre und eine Bewährungsstrafe, weil ihr Mandant nur dann noch mehr als die bereits zurückgezahlten 190.000 Euro bringen könne. Richter Petersen verurteilte ihn zu zwei Jahren und neun Monate im geschlossenen Vollzug. „Ein angebrachtes Strafmaß“, findet Langenbach.

Mehr als 20 Jahre war der Betrüger als Finanzdienstleister tätig. Nachdem er im Oktober 2009 alleiniger Geschäftsführer einer Firma in der March wurde, begann er, große Geldbeträge von Kunden für vermeintliche Investitionen in lukrative Kapitalanlagen in eine andere Anlage zu stecken: in den Bau eines Wohnhauses und die Tilgung seiner Schulden. Er sei in einen Teufelskreis geraten. Nachdem er mit der alten Firma Schulden gemacht hatte, steckte er Geld in eine neue, erhoffte sich umso mehr Scheine und begann schon mal mit dem Hausbau. Doch der Erfolg blieb aus, das Geld fehlte und die Betrügereien begannen. Wer kein Geld habe, könne auch kein Haus bauen, sagte Petersen. Dass der Mann eine Woche zuvor erneut wegen Betrugs in fünfstelliger Höhe angeklagt worden war, führte nicht gerade zu mildernden Umständen. Es war eher ein Bärendienst – dieses Mal für ihn selbst.

Text: Daniel Weber, Lars Bargmann / Foto: istock.com