Lobbyismus? Christoph Münzer winkt ab: „Dafür haben wir fast keine Zeit.“ Der Mann führt die Geschäfte des 1946 gegründeten Wirtschaftsverbands Industrieller Unternehmen Baden (WVIB). Er schaut von seinem Büro aus auf den Schönberg. Und sagt: „Schwarzwald AG, das ist unser Thema.“

 

Steht auf Schwarzwald: Christoph Münzer

Die Schwarzwald AG, das sind aktuell 1002 Unternehmen mit 185.000 Beschäftigen und 37 Milliarden Euro Umsatz. Die AG, der Münzer vorsteht, macht aber nicht viel mehr als die Beiträge der Mitglieder zu verbuchen. Es geht vielmehr ums Label Schwarzwald AG, um eine griffige Formel, unter die alle Mitgliedsbetriebe passen. Seit im Schwarzwald Kuckucksuhren gemacht werden, hinter Münzer an der Wand hängen Exemplare, sei das ein Cluster, ein Begriff, der heute beim Run auf Fördergelder fast schon notwendige Bedingung ist: „Der Mittelstand ist trotz der deutschen Förderpolitik stark“, sagt Münzer. Und die Themen für diesen sind zahlreich: Von Anfang Juli 2013 bis Ende Juni 2014 führten 17 der 47 Mitarbeiter mehr als 5300 Beratungsgespräche, kamen mehr als 3600 Unternehmen zu 650 Veranstaltungen, besuchten knapp 5500 Menschen die Seminare und Lehrgänge der WVIB-Akademie.

 

Den Mindestlohn sieht Münzer als „Polit-PR“, die den Sinn für die Realität eher vernebelt als schärft. Wer in einer Exportweltmeisternation gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA protestiert, „sägt den Ast, auf dem wir sitzen“. Der WVIB hilft seinen Mitgliedern in den meisten aller wichtigen Fragen: Nachfolge, Expansionspläne, Marktzugänge, Personal, Sicherung des Knowhows. „Wissen und Wärme, beides aus einer Hand und ohne Eigeninteresse“, umschreibt Münzer den Unterschied zu Unternehmensberatungen, die viele WVIB-Leistungen auch anbieten. Und: „Persönliches Vertrauen gibt es im Internet nicht.”

 

Der WVIB ist zudem ein Vehikel, um Wissen im einen Betrieb auch dem anderen zugänglich zu machen – wenn es nicht gerade Rivalen im gleichen Becken sind. Die Schwarzwald AG, die in Freiburg erfolgreich die Industriemesse i+e veranstaltet, ticke genossenschaftlich, gehorche aber natürlich Marktgesetzen. Der Etat liegt 2015 bei rund 7,8 Millionen Euro, die eine Hälfte erwirtschaftet sie selbst, die andere kommt aus den Beiträgen. Lobbyismus trägt dazu nichts bei.

 

Text: Lars Bargmann / Foto: WVIB