Für den einen sind Vögel putzig, für andere lästig. Für Men- schen wie Mira de Waard bieten sie vor allem ein gutes Geschäft. Seit zwei Jahren leitet die 53-Jährige die Freiburger Vogelabwehr-Firma Desostar Systems, die mit drei Mitarbeitern 2011 einen Umsatz von 250.000 Euro gemacht hat – und den im laufenden Jahr um mindestens 50 Prozent steigern will. Im Interview mit Steve Przybilla verrät sie, was der Black Forest Venture Day, der am 13. Juli zum zweiten Mal läuft, für sie bedeutet, warum sie die Tiere trotz ihrer Arbeit noch mag – und welche Rolle Männer in ihrer Branche spielen.

chilli: Frau de Waard, was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie einen Vogel sehen?
Mira de Waard (lacht): Ich empfinde immer noch Freude. Wir haben selbst ein Holzhaus in der Natur und eine Ringeltaube vorm Schlafzimmer. Ich war schon immer sehr naturverbunden, habe mich in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und im Vogelschutzbund engagiert. Von meinem Beruf bin ich also noch nicht verdorben.

Desostar-Zentrale in der Engesserstraße: Die Heimat der Vogelabwehr-Experten.


chilli: Trotzdem befassen Sie sich mit der Abwehr von Vögeln. Schießen Sie mit Kanonen auf Spatzen?
De Waard: Nein, unsere Technik ist für die Vögel nicht schädlich. Sie kommt vor allem bei Bürogebäuden, Fabrikhallen und freien Flächen zum Einsatz und arbeitet mit Schalldruck, der für Menschen nicht hörbar ist. Für die Vögel fühlt sich das wie dicke Luft an – und das schreckt ab.

chilli: Vögel hat es doch schon immer gegeben. Warum müssen sie verscheucht werden?
De Waard: Wir reden hier vor allem von Tauben, denn diese Plage ist hausgemacht. Schon seit Jahrhunderten hält sich der Mensch Tauben als Haustiere. In Städten finden sie gute Verstecke und überall Futter. Ihr Gurren belästigt viele Leute. Der Vogelkot stinkt und kann zum Hygieneproblem werden. In der Industrie verursacht er sogar Schäden an Waren und Maschinen.

chilli: Wie ist Freiburg bei der Vogelabwehr aufgestellt?
De Waard: In Freiburg gibt es keine riesigen Taubenpopulationen. Man setzt hier vor allem auf mechanische Maßnahmen wie Netze, Drähte oder Stacheln. Es gibt aber durchaus Probleme im Innenstadtbereich, zum Beispiel auf dem Münsterplatz. Neulich haben wir eine Anlage im Innenhof des Historischen Kaufhauses errichtet – seitdem ist er taubenfrei.

chilli: Um Gründungskapital für Ihre Firma zu bekommen, haben Sie im vergangenen Jahr beim ersten Black Forest Venture Day mitgemacht. Wie läuft das Speed-Dating ab?
De Waard: Der Black Forest Venture Day für innovative Start-ups ist eigentlich eher für junge Uni-Absolventen gedacht. Man hat nur ein bis zwei Minuten Zeit pro Gesprächspartner, da müssen alle Fakten stimmen. Ich habe mich so gut es geht vorbereitet, aber man kann natürlich nicht alle Fragen erahnen. Ehrlichkeit ist immer am besten – und Überzeugung. So konnte ich gleich zwei Investoren finden, die zusammen 45.000 Euro Startkapital zur Verfügung gestellt haben.

chilli: Woran merken Sie, dass Sie in einer Männerdomäne arbeiten?
De Waard: Zum Beispiel daran, dass ich oft Leute am Telefon habe, die mich für die Sekretärin halten und erst mal den Chef sprechen wollen. Eine Frau als Geschäftsführerin erwarten viele Männer erst mal nicht – die wollen mit jemandem sprechen, der Ahnung hat. Wenn sie dann aus dem Staunen nicht mehr rauskommen, genieße ich diesen Moment. Im Außendienst ist das übrigens kein Problem. In der Industrie läuft das alles ganz cool ab.

Fotos: Steve Przybilla