Sechs chilli-Thesen zur Hinrunde des SCF:
Team-Busfahrer Stefan Spohn bezieht Stellung


Er ist ein echtes Urgestein beim SC Freiburg: Stefan Spohn fährt seit der Saison 94/95 (ja, es war die 5:1-gegen-Bayern-Spielzeit) die Spieler zu den Auswärtspartien. Damals war der heute 41-Jährige der jüngste Fahrer im deutschen Profifußball. Heute, nach 18 Jahren, ist er der dienstälteste. Zudem kümmert sich der gelernte Kfz-Mechaniker und Kfz-Elektriker an der Schwarzwaldstraße und im Möslestadion um Heizungen, Klimaanlagen, Lüftungen und Elektrik. Ach ja, und 2005 ist „Spohni“, wie ihn beim SC alle nennen, auch noch Deutscher Meister im Mercedes-Busfahren geworden – unter anderem vor den Mannschaftschauffeuren aus München, Leverkusen, Schalke, Mainz und Frankfurt. chilli-Redakteur Felix Holm hat ihm sechs Thesen zur laufenden Saison des SC vorgelegt.

Den SC im Herzen, Celtic Glasgow auf dem Kopf: Die Mütze wollte Stefan „Spohni“ Spohn aufbehalten.

 

 

These 1: Der SC tritt bislang als Team auf. Das fängt schon bei der Busfahrt an.
Spohn: Dass sie als Team auftreten, stimmt schon. Aber die Fahrt zum Stadion ist dafür wenig exemplarisch. Es gibt zum Beispiel keine gemeinsame Musik mehr, das war ein Wunsch vom Trainer: Jeder Spieler soll sich individuell aufs Spiel vorbereiten können. Da hat der eine seine Kopfhörer auf, der andere schaut nur in die Luft und konzentriert sich. Dafür herrscht mehr Konzentration als in manch anderen Spielzeiten. Das Team, die Einheit der Mannschaft, ist dann voll zu spüren, wenn der Trainer und der Kapitän in der Kabine im Kreis kurz vorm Rauslaufen ihre Ansprache halten.

These 2: Mit einem anderen Schiedsrichter wäre gegen Bayern mehr drin gewesen.
Spohn: (lacht) Das ist fies. (überlegt) Jein. Wenn der Schiedsrichter pfeift, ist das eine Entscheidung. Den Elfmeter kann man geben, die Rote Karte muss man geben. Und trotzdem – wie soll ich sagen. (lacht) Das ist ne Scheißfrage – ich weiß schon genau, was der Christian hinterher zu mir sagt: „Spohni, was musch jetzt Du dadezu was sage …?“ Im Kicker ist jedenfalls heute nachzulesen, dass der SC die Mannschaft ist, die bislang am häufigsten benachteiligt wurde.

These 3: Der SC ist in der derzeitigen Form nicht nur aufgrund der Tabelle, sondern auch aufgrund seiner Spielweise näher am europäischen Geschäft als am Abstieg.
Spohn: Stimmt. Aber europäisches Geschäft? Den Begriff will ich und darf ich nicht in den Mund nehmen. Ich habe den Uefa-Cup ja schon miterlebt, das war super: In die Karpaten fahren, mit sechs Polizeimotorrädern und 80 Sachen durch Rotterdam – das ist auch geil. Aber ich kenne auch mein Stadion. Ich weiß noch, was das damals schon für ein Aufwand war – und das will ich eigentlich in dem Stadion so nicht mehr erleben.

These 4: Kruse, Schuster, Flum, Ginter, Sorg, Caligiuri und Baumann – einer von denen wird der erste Deutsche A-Nationalspieler, der aktiv für den SC kickt.
Spohn: Das muss ich kommentieren? Das sind alles meine Freunde. Ich weiß, was ich mir anhören muss, von denen, die ich jetzt nicht nenne. Einer von denen wird noch während seiner Zeit beim SC A-Nationalspieler werden – aber ich sage keinen Namen.

These 5: Das Geld, das man für Garra Dembélé ausgegeben hat (laut bulgarischen Medien: 2,3 Mio. Euro), hätte man lieber für die Kosten fürs Stadion aufgespart.
Spohn: Nein. Weil ich glaube einfach, dass wir eine super Scouting-Abteilung haben. Und wenn ein Spieler verpflichtet worden ist, werden diese Leute die richtige Entscheidung getroffen haben. Da vertraue ich einfach dem Verein, dass hier kein Geld zum Fenster rausgeschmissen wird.

These 6: Es ist möglich, dass in der Rückrunde ein Monat kommt, in dem Du mehr Punkte in Flensburg holst als der SC auf dem Platz.
Spohn: Nein. Definitiv nicht. Ich bin schon hunderttausende von Kilometern gefahren und mein höchster Kontostand waren einmal vier Punkte – weil ich auf der Fahrt zum Pokalspiel nach Haching zu schnell war. Die Punkte sind schon wieder weg. Und dass der SC in einem Monat null Punkte holt, ist ausgeschlossen.

Text & Foto: Felix Holm