Der 31. Dezember 2013 wird für Jochen Zeyher für immer ein besonderer Tag bleiben. An diesem Silvestertag flog der Gundelfinger bei der 5. internationalen Drachenfliegerexpedition in Namibia einen Weltrekord. Nach 8:26 Stunden und 403,85 Kilometern hatte der 55-Jährige wieder festen Boden unter den Füßen. So weit hatte es bis dahin kein anderer geschafft. Am Ende ging es um läppische 50 Meter. Der dreifache Vater, Maschinenbauingenieur und amtierende Deutsche Meister hätte sich um ein Haar verrechnet.

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„Eigentlich bin ich 406,9 Kilometer geflogen, aber durch die Erdkrümmung und doppelte Abzüge bei den Radien an den Wendepunkten waren es dann plötzlich nur 403,85. Der bisher Weiteste war nach 402,8 gelandet, und weil man für einen Rekord mindestens einen Kilometer weiter fliegen muss, waren das tatsächlich nur 50 Meter mehr. Das war der Höhepunkt meiner bisherigen Drachenfliegerkarriere.

Ende der 70er hatte ich bei Schloss Schwanstein am Tegelberg den ersten Drachenflieger gesehen und war fasziniert. Meine ersten Flüge habe ich Anfang der 80er am Kaiserstuhl gemacht, damals kosteten die Drachen 3000 Mark, heute bis zu 17.000 Euro. Drachenfliegen ist vogelgleich, ein einzigartiges Gefühl. In Namibia war ich bis zu 5500 Meter hoch, 117 Kilometer schnell, hab’ künstlichen Sauerstoff geatmet. Man weiß beim Fliegen dank der Technik alles. Nur nicht, ob man auch wieder heimkommt. Es gibt nur zwei Zustände, entweder du bist im Aufwind oder du suchst den Aufwind. Wenn du einen Fehler machst, bist du nur noch ein Spielball.

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Einmal bin ich wegen eigener Dummheit auf den Rücken gedreht worden, da hängst du dann und kannst nichts machen. Ich landete auf dem Schauinsland zwischen Fichtenkronen und stoppte nur einen Meter über dem Boden. Man braucht viel Vertrauen, das habe ich mir dann wieder erarbeitet. Zehn Kilometer vor dem Ziel in Namibia wusste ich, dass ich es schaffe, da schreit man mal seine Freude raus. Nach der Landung bin ich auch kurz auf die Knie gegangen. Meiner Frau habe ich eine SMS geschickt. Sie meinte nur, ich sei ja ganz gut geflogen. Man braucht eine ausgefeilte Technik und das Glück des Tüchtigen, um Erfolg zu haben. In diesem Jahr will ich zum ersten Mal mehr als 300 Kilometer über deutschem Boden schaffen. Der Rekord in Namibia war mein Traum, den habe ich mir nun erfüllt.

Text: Lars Bargmann / Fotos: Privat