11. bis 17. Mai 2015, Kommunales Kino

Das Freiburger Film Forum feiert Jubiläum: 30 Jahre ist es her, dass ein paar engagierte Leute daran gemacht haben, Filme nach Freiburg zu holen, die in üblichen Kinos eher nicht zu sehen waren: Halbvergessene Klassiker, Filme aus der damals noch so genannten „Dritten Welt“, Produktionen, die zu einem bestimmten Themenbereich zusammengestellt wurden.

Seither gibt es im Kommunalen Kino alle zwei Jahre eine Woche lang sorgsam ausgesuchte internationale Filme zu sehen – ein Ereignis, zu dem auch Gäste aus aller Welt zu begleitenden Lesungen, Gesprächsrunden und Ausstelllungen kommen. Inzwischen ist das, was 1985 als „Ethnofilmtage begann, auch außerhalb Freiburgs zu einem viel beachteten und hoch angesehenen Forum für den interkulturellen Dialog geworden.

LLÉVATE MIS AMORES - ALL OF ME

 

Im Jubiläumsjahr gibt es natürlich ein ganz besonderes – und besonders üppiges – Programm. Es beginnt gleich heute mit einer Innovation: dem student’s film forum, Bis Mittwoch bietet dieses neue Festivalformat jungen Filmschaffenden die Gelegenheit, Abschlussarbeiten und Debutfilme zu interkulturellen Themen zu präsentieren. Dabei geht es weder um Wettbewerb noch um technische Perfektion; im Mittelpunkt stehen die inhaltliche und formale Auseinandersetzung mit originellen Filmprojekten.

Außerdem gibt es dieses Mal auch eine kleine Rückschau auf die eigene Geschichte – es gibt einige Filme zu sehen, die Das Freiburger Film Forum und seine Besucher in den vergangenen 30 Jahren begleitete, darunter Ousmane Sembènes „La Noire…Black Girl“ von 1966, und „Que viva Mexico“, Sergei Eisensteins Stummfilm aus dem Jahr 1930, der wie vor 30 Jahren – Eröffnungsfilm ist: am Mittwoch, 13.5. 20 Uhr, mit musikalischer Begleitung durch Günter A. Buchwald.

Doch auch für die eigentlichen Schwerpunkte des Festivals gibt es noch genügend Zeit und Raum: Von Donnerstag bis Sonntag (14 – 17. Mai) werden Hauptwerke der neuen Richtung des „Sensory Ethnography Lab“ vorgestellt, außerdem gibt es viele neue internationale Filme zu sehen, die sich mit dem Thema „Globale Migration und Flucht“ beschäftigen. Den Auftakt zu diesem Themenschwerpunkt bildet eine Lesung mit dem Chamisso-Preisträger Sherko Fatah; er liest aus „Das dunkle Schiff” in dem die Geschichte eines Irakers erzählt wird, der, nach einer Zeit als islamischer Gotteskrieger und einer dramatischen Flucht, in Berlin Opfer jenes Extremismus wird, den er bereits hinter sich gelassen hatte.

BORDERS

 

Sherko Fatah ist freilich nicht der einzige Gast der Film Forums, mit dem man über sein Schaffen sprechen kann. Es werden auch Regisseure anwesend sein. So kommt etwa Arturo González Villasenor am Freitag, 15.5., 20 Uhr zur Vorführung von „All of Me“ (Mexico 2014). In diesem Film geht es um „Las Patronas“, eine Frauen-Selbstorganisation in Zentralmexico, die seit 20 Jahren illegale Migranten aus ganz Lateinamerika, die mit dem Zug in Richtung USA unterwegs sind, in bedingungsloser Solidarität mit Wasser und Lunchpaketen versorgt. Auch bei „Borders” (Niederlande 2013) wird die Regisseurin Jacqueline van Vugt dabei sein – am Samstag, 16.5., 20 Uhr. Dieser Film begibt sich auf die Wege der Migranten von Nigeria über Niger, Burkina Faso, Senegal, Mauretanien, Marokko, Spanien, Frankreich und Belgien in die Niederlande. An jeder Landesgrenze trifft die Filmemacherin Menschen, die vom besseren Leben träumen – in Europa. Doch je näher sie diesem Hoffnungskontinent kommen, desto blasser wird ihr Traum: Ankunft und Empfang sind anders als erhofft.

Das ganze Programm ist zu finden unter www.freiburger-filmforum.de

Text: Erika Weisser / Fotos: Freiburger Film Forum