Die Entwicklung der Stadt Freiburg hat eine reichhaltige Geschichte. Als im Frühjahr das Quartier Unterlinden mit einem Komplex aus Büros und Geschäften nach langer Bauphase eröffnete, hatte die Breisgaustadt nicht nur ein neues Gesicht an einer bekannten Ecke bekommen, sondern auch neue Erkenntnisse aus einer alten Zeit gewonnen. Archäologische Grabungen hatten Bodenzeugnisse zutage gefördert, die bis ins Mittelalter zurückreichen. Damals stand an dieser Stelle ein Dominikanerkloster. Im Zuge einer Ausstellung über die Geschichte des Stadtquartiers ist dazu ein Film gedreht worden: „Das verschwundene Dominikanerkloster.“

„Anfangs sollte der Film zehn Minuten dauern“, erzählt Peter Kalchthaler. Am Ende sind es 27 Minuten geworden, in denen die Geschichte der im Mittelalter zweitgrößten Kirche der Stadt aufgerollt wird. Der Historiker und Leiter des Museums für Stadtgeschichte leitete gemeinsam mit seinem Kollegen Bertram Jenisch vom Landesdenkmalamt die Planung des Filmprojekts und der noch bis zum 5. Januar andauernden Ausstellung mit dem Titel „Weihrauch und Pulverdampf – 850 Jahre Stadtgeschichte im Quartier Unterlinden“, für die der Film gedreht wurde. Die beiden Historiker mimen darin sich selbst. Sie wälzen Bücher, sitzen am Computer und rekonstruieren anhand der Ergebnisse der Ausgrabungen das verschwundene Dominikanerkloster virtuell.

 

Im zweiten Handlungsstrang befinden sich parallel zu den Wissenschaftlern zwei Dominikaner ebenfalls auf der Suche nach ihrem Kloster. Es sind Bruder Ulrich, Baumeister des Klosters, und der Universalgelehrte Albertus Magnus, der in Freiburg lehrte und heute als Bronzerelief am Quartier Unterlinden an das damalige Kloster erinnert. Dargestellt werden die beiden Ordensbrüder unter der Regie von Jürgen Stumpfhaus von den Schauspielern Klaus Spürkel und Peter Schell. Am vorläufigen Ende ihrer Suche landen sie im Büro der Wissenschaftler und entdecken die Rekonstruktion des Klosters an einem komischen Gerät namens Computer. „Eine Welt der Erinnerung“ für Männer aus dem Mittelalter.

Digitale Rekonstruktion der Straßenansicht.

 

1235 gründeten die Dominikaner die nach dem Münster zweitgrößte Kirche der Stadt. Nach der Auflösung des Konvents im Jahr 1790 ging das Areal in den Besitz der Universität über. Fortan wurde es etwa als Lagerhaus verwendet und schon wenige Jahre später per öffentlicher Versteigerung an Freiburger Bürger verkauft. Das Kloster selbst wurde in dieser Zeit geteilt, der gotische Hochchor abgebrochen und an seiner Stelle die heutige Prediger- und Gutenbergstraße angelegt, wie im Begleitband der Ausstellung erklärt wird. Endgültig verschwanden die letzten aufrecht stehenden Reste des Klosters, das zwischenzeitlich zum Vinzentiushaus geworden war, nach der verheerenden Bombennacht, die am 27. November 1944 Freiburg erschütterte. Nach dem Abtragen der Ruinen entstand an seiner Stelle zehn Jahre später der Neubau der Badischen Kommunalen Landesbank.

 

Gesamtanlage des Klosters

 

Bevor mit dem Bau des neuen Quartier Unterlinden begonnen wurde, wühlten erst einmal Experten elf Monate lang in der Baugrube. Zwischen November 2007 und September 2008 fanden die Archäologen dabei Bodenzeugnisse der Geschichte Freiburgs. Sie waren allerdings nur inselhaft in dem stark gestörten Areal enthalten, sodass die Rekonstruktion des Klosters vor allem auf der Grundlage historischer Pläne geschaffen wurde. Und davor sitzen am Ende des Films die beiden Mönche. Einen Tastendruck später finden sie sich dann tatsächlich in ihrem Kloster wieder, während die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse und Projektunterstützer Horst Kary ins elsässischen Guebwiller reisen und dort die Kirche besuchen, die als Zwilling des verschwundenen Freiburger Dominikanerklosters gilt. Kary taucht am Ende auch noch im zweiten Handlungsstrang auf, als Bettelmönch Medicus Primus. „Gebt fleißig, gebt für euer Seelenheil“, wiederholt der Banker. „Wir hielten das für eine witzige Idee“, erzählt Kalchthaler. Der Film selbst war eine gute und ist ebenso umgesetzt worden.

Innenansicht des Langhauses der Dominikanerkirche in Richtung Lettner, im Hintergrund der Hochchor. Digitale Rekonstruktion.

 

 

von Daniel Weber.

 

Erschienen in der aktuellen Ausgabe der cultur.zeit, unserem Kulturmagazin für das Dreiländereck.