Vorhang auf für die 27. Internationale Kulturbörse Freiburg: 170 Künstler, mehr als 300 Aussteller auf 6000 Quadratmetern, über 200 Auftritte auf den vier Bühnen und ein pickepackevolles Begleitprogramm warten auf 3500 Experten und ungezählte kulturbegeisterte Besucher. Die IKF setzt heuer mit Österreich einen neuen Schwerpunkt. Aber IKF-Chef Holger Thiemann hat auch aus 30 anderen Ländern Künstler und Kabarettisten, Zauberer und Theaterspieler, Comedians und Musiker eingeladen. Und sieben öffentliche Veranstaltungen auf dem Plan.

Die 27. Internationale Kulturbörse Freiburg

 

Die IKF, das ist das große Familientreffen der deutschsprachigen, oft großartigen Kleinkunstszene. Eröffnet wird sie mit der Gala am 26. Januar (siehe Info), geschlossen mit dem Varietéabend, der ans Ende gerutscht ist und auf dem auch die Gewinner der Freiburger Leiter in würdigem Rahmen bekannt gegeben werden. Ob ein Wiener dabei ist?

Die Radeschnig-Zwillinge mit „EXPERIMENSCH“

 

Die Wiener Szene ist voller Kabarettisten, die beinahe täglich auf den gut 30 Bühnen in der Stadt die Leute zum Nachdenken und Lachen, zum Schmunzeln und Staunen bringen. Hier tummeln sich die populärsten und spannendsten Newcomer neben Arrivierten, die alle noch nie auf der Kulturbörse waren. Aber nun kommen die Radeschnig-Zwillinge mit „EXPERIMENSCH“, es kommt der Kabarettist und Kolumnist Thomas Maurer, es reist an Christof Spörk, Musikkabarettist, der 2011 mit seinem ersten Programm überhaupt sofort den „Österreichischen Kabarettpreis“ bekam – und im vergangenen Mai in Baden-Baden den Salzburger Stier.

Marcel Mohab: Stand-up-Comedy, Theater, Performance Art, Improvisation

 

Marcel Mohab (Stand-up-Comedy, Theater, Performance Art, Improvisation), Hosea Ratschiller (Kabarett), Betty O mit ihren Mundwerkliedern am Klavier, Aret Aleksanyan, der als Derwisch humor- und anspruchsvoll über Migration und Integration erzählt – was vor den Freiburgern schon mehr als 70.000 Zuschauer bei 700 ausverkauften Vorstellungen gehört haben. Auch Gunkl und Uta Köbernick schauen vorbei, die beiden Ehrenbürger von Lakonien. Sie: „Angst ist der rote Teppich für den Mut.“ Er: „Ungeliebte Teppiche bekommt man mit Rotweinflecken raus.“

Shootingstar Marc Haller zeigt mehr als Zauberei.

 

Mit Marc Haller ist ein Shootingstar dabei, der schon als 14-Jähriger eine Zauberschule besuchte, als „Erwin aus der Schweiz“ aber mehr als Zauberei zeigt. Der preisgekrönte Wiener und Wahl-Frankfurter Severin Gröbner begibt sich auf eine wortreich-aberwitzige Reise vom Elend zur Elite. Einen so (be-)zaubernden Bauchredner wie Tricky Niki werden die wenigsten bisher gesehen haben, und schließlich rast Werner Brix „mit Vollgas zum Burnout“.

5/8erl in Ehr’n (15) haben ihr eigenes Genre kreiert: „Yes, we does“ vereint Wiener Soul, schweren Rocksteady, melancholische Walzer, Sex, Groove und nackte Hypnose.

 

Auch die österreichische Musikszene birgt Spannendes. 5/8erl in Ehr’n haben schon ihr eigenes Genre kreiert. „Yes, we does“ vereint Wiener Soul, schweren Rocksteady, melancholische Walzer, Sex, Groove und nackte Hypnose. Der Cellist Matthias Bartolomey und der Geiger und Mandola-Spieler Klemens Bittmann geben sich lustvoll dem Groove hin, die Debüt-CD des stilistisch abenteuerlichen und avantgardesken Duos Catch-Pop String-Strong (Jelena Popržan: Viola, Gesang; Rina Kaçinari: Cello, Gesang), landete prompt in den Top Ten der European World Music Charts. Und das Großmütterchen Hatz Salon Orkestar reißt einen von der ersten Sekunde an mit. Die Strottern & Blech zählen hingegen zu den Pionieren und erfolgreichsten Vertretern des gegenwärtigen Booms der Dialektmusik in Österreich. Für ihre (schwarz-)humorigen Lieder haben sie den Deutschen Weltmusikpreis RUTH, den AMADEUS Austrian Music Award oder auch den Österreichischen World Music Award bekommen. Das Diknu Schneeberger Trio brilliert mit Jazz und Swing, FEDERSPIEL veredelt alpenländische Blasmusik zeitgenössisch – sehr lässig. Das serbisch-bosnisch-bulgarisch-wienerische Quartett Madame Baheux bringt spritzig-schräge, innovative Weltmusik nach Freiburg – kann aber auch Brecht oder Kreisler zelebrieren.

Martin Spengler und die foischn Wiener spielen tiefgründige Variationen des Wienerlieds

 

Martin Spengler und die foischn Wiener spielen tiefgründige Variationen des Wienerlieds, die Playbackdolls um die agitatorische Punklady und Chansonette Tini Trampler spielen delightful Songs, und die gebürtige Teheranerin Tania Saedi kann einem schon mit einem Youtube-Video Gänsehaut auf den Arm zaubern. Österreich? Österreich!

Text: Lars Bargmann
Fotos: Agentur Rideo; privat; Klaus Pichler; Peter Schneider

Abendveranstaltungen
Montag, 26.1.: Opening Gala, 20 h
Dienstag, 27.1.: Chapertons, 21.30 h; Poetry Slam, 20.30 h
Mittwoch, 28. 1.: A Cappella-Abend, 21 h, Nono Battesti, 21 h; Camut Band, 21h
Donnerstag, 29.1.: Varietéabend + Verleihung der FREIBURGER LEITER, 19.30 h

Mehr Infos & VVK: www.kulturboerse-freiburg.de