Das Emil-Gilels-Festival führt in diesem Jahr Pianisten von Weltrang an die Freiburger Musikhochschule. Einer der Hauptgäste ist Christian Zacharias, der zu einem Schubert-Konzert auch einen Vortrag über den Komponisten halten wird und zusätzlich sein Wissen bei einem öffentlichen Meisterkurs an Studierende aus aller Welt weitergibt. Zacharias, der sowohl als Dirigent als auch als Pianist großen Ruhm genießt, ist unter anderem Gewinner mehrerer Klassik-Echos (zuletzt 2012) und durfte 2011 als erster Deutscher seit über 30 Jahren in der New Yorker Carnegie Hall spielen. Was ihm mehr bedeutet und worauf sich die Freiburger freuen dürfen, hat er chilli-Redakteur Felix Holm verraten.

 

chilli: Herr Zacharias, Ihr Vortrag, den Sie in Freiburg halten, heißt: Warum klingt Schubert wie Schubert? Ja, warum denn?

Zacharias: (lacht) Da brauche ich ja dann schon zwei Stunden, wenn ich den Vortrag halte. Wenn ich über Musik rede, gibt es außerdem immer auch Musik zu hören. Nur dazu etwas zu sagen, ist wie wenn ich ein Bild beschreibe, das der andere nicht sehen kann. Nur bei Musik ist es noch schlimmer. Also müssen Sie sich mit der Antwort leider gedulden, bis ich in Freiburg bin. Aber ich habe auf jeden Fall ein paar interessante Dinge über Schubert zu sagen, bei denen ich glaube, dass ich damit die Leute in meinen Vortrag hineinziehen werde.

 

chilli: Was mögen Sie an Schubert besonders?

Zacharias: Schubert ist so stark an den Emotionen dran. Manche Leute bekommen das fast schon physisch mit. Manche bekommen bei seiner Musik Gänsehaut, manchen kommen sogar Tränen. Er geht mit seinen großartigen Kompositionen elementar auf die Gefühlsebene und ist so ganz nah dran an dem, was einen aufrührt und bewegt. Und die Dimensionen seiner Werke sind auch – etwa im Vergleich zu Mozart – einfach umfangreicher. Alles ist etwas größer und eindringlicher.

 

Christian Zacharias

Pianist Christian Zacharias: „Preise finde ich nicht so aufregend“ Bild: Nicole Chuard

 

 

chilli: In Freiburg treten Sie beim Gilels-Festivals auf. Gibt es eine Verbindung zwischen Ihnen und Emil Gilels?

Zacharias: Als ich in den frühen 70ern angefangen habe, kamen von ihm die ganz großen Momente. Ich habe ihn damals in Straßburg gesehen. Ich erinnere mich an zwei unglaubliche Klavierabende, von denen ich fast noch jedes Stück nachvollziehen kann. Er war damals eines meiner größten Idole und als ich ihn gehört habe, war ich platt. Das hat mich auch mehr beeindruckt, als später ein Auftritt von Swjatoslav Richter und es waren Sternstunden, die mich angeregt haben, alles zu geben und weiter auf diesem Pfad zu bleiben.

 

chilli: Heute sind Sie selbst einer der weltweit am meisten angesagten Pianisten. Was bedeutet Ihnen eigentlich mehr: Der Gewinn des Echos oder der Auftritt in der Carnegie Hall?

Zacharias: Den Echo habe ich in den vergangenen Jahren ja öfter gewonnen. Allerdings liegt das vielleicht auch an meiner Plattengesellschaft, die da sehr aktiv und gut ist. Diese Preise finde ich nicht besonders aufregend – da hat der Erfolg immer auch etwas mit Werbung zu tun. Ein gutes Konzert in der Carnegie Hall zu spielen, ist mir hundert Mal mehr wert.

 

chilli: Sie sind sowohl als Solist erfolgreich, als auch als Dirigent. Welche Rolle gefällt Ihnen besser?

Zacharias: Zurzeit entwickelt es sich schon mehr in Richtung Dirigent. Das ist einfach eine Rolle, die extrovertierter und aktiver ist. Man hat mehrere Aufgaben, das ist eine Herausforderung, der ich mich seit 20 Jahren gerne stelle. Die Befriedigung, wenn Sie alleine sind, ist natürlich sehr groß, weil Sie wissen, dass Sie jeden Ton auf dem eigenen Instrument selber spielen. Aber die Interaktion zwischen Orchester und Dirigent ist schon einfach sehr bemerkenswert und das ist auch das, was mich mehr fordert und mir deswegen Spaß macht.

 

chilli: Herr Zacharias, vielen Dank für das Gespräch.

 

Zacharias in Freiburg:

Mo, 24. März, 20 Uhr Klavierabend (Schubert-Sonaten)

Mi, 26. März, 19 Uhr: Vortrag „Warum klingt Schubert wie Schubert?“

Mi & Do, 26. & 27. März: Meisterkurs (Informationen im Netz)

 

INFOS: www.festival.emilgilelsfoundation.net