Das ZMF spricht türkisch am diesjährigen Gala-Abend: Das Philharmonische Orchester Freiburg feiert seinen 125. Geburtstag und das – unter der Leitung von Enrique Ugarte – auch auf dem Mundenhof: Die Reise geht ins Morgenland. Mit dem Pianisten und unlängst verurteilten Bürgerrechtler Fazil Say, der den ZMF-Ehrenpreis erhalten wird. Mit dem Vorjahrespreisträger und Trommler Murat Coskun, mit den Grünen-Politikern Cem Özdemir (Bundesvorsitzender) und dem Freiburger Stadtrat und Lautenmusiker Ibrahim Sarialtin steht einiges an türkischer oder türkischstämmiger Prominenz im Zirkuszelt. Moderieren wird der Kabarettist Matthias Deutschmann, der Reinerlös geht an die Stiftung „Musik für Menschen“.

ZMF-Panorama
Dass Sarialtin ein veritabler Musiker mit Bühnenerfahrung ist, wissen Wenige in Freiburg. „Ich liebe diese Überraschungseffekte“, sagt Alexander Heisler, Festival-Gründer, ZMF-Gesellschafter und Organisator der Gala. Er involviert stets ehemalige Preisträger, diesmal gab Coskun den Ausschlag für den Orient. Über Coskun kam der Kontakt zu Sarialtin, über Sarialtin zu dessen Freund Özdemir. Das sind diese verwinkelten Geschichten, die das ZMF auszeichnen. Özdemir wird ein Märchen des Sams-Erfinders Paul Maar ins Türkische übersetzen.

Und gemeinsam mit dem jüdischen Klarinettisten Giora Feidman den diesjährigen Ehrenpreis an Fazil Say überreichen. Say ist wegen angeblicher Blasphemie im April in seiner Heimat zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt worden. „Skandalös“, findet nicht nur Heisler. Say bekomme den Preis, weil er Zivilcourage zeige und für die Brückenbildung von Jazz zu Klassik stehe.

Fazil Say
Und was hat Mozart damit zu tun? Der Österreicher hat oft das Morgenland integriert. So werden die Ouvertüre der Entführung aus dem Serail und ein Klavierkonzertsatz zu hören sein sowie der 3. Satz „à la turca“ aus dem A-Dur Violinkonzert. „Eine Super-Melange“, schwärmt Heisler. Getrübt wird die Vorfreude durch die Kürzung der Landeszuschüsse um 30.000 Euro. Der ZM Förderkreis ist in diesem Jahr einmalig eingesprungen. „Nach 31 Jahren Kulturarbeit ist das demütigend“, kritisiert Heisler, „wir bewegen uns auf einem dünnen Boden für dieses hohe kulturelle Niveau, das wir hier bieten.“

Text: Dominik Bloedner / Foto: Marco Borggreve / Klaus Polkowski