Der Weg des Einzelkämpfers

Nachdem der Freiburger Timo Horl aka Sokom in seinem Debütalbum „Raus mit der Sprache“ vor drei Jahren noch auf direkten Konfrontationskurs mit seinen Kritikern ging, ist er jetzt selbstbewusster und reifer geworden. Noch reifer. Seine neue Scheibe „Frischer Wind“ ist inhaltlich eine Stufe nach oben geklettert und dabei soundtechnisch mindestens gleich stark geblieben.

Sokom singt über sich, grenzt sich ab und unterstreicht, dass er sich nicht von seinem Weg abbringen lässt: „Ich bin da, wo ich hingehör – dort wo ich bin, kann ich jetzt den frischen Wind schon spür’n.“ Dabei verzichtet er im Gegensatz zu Proll-Gangstern auf künstliche Aggressionen Das macht „Frischer Wind“ auch für Leute, die sensibel auf Fäkal- oder Sexual-Akustik reagieren, hörenswert: „Ihr merkt es schon, auch ohne, dass ich groß vom Leder zieh – denn ich stopf Zeilen nicht nur in Beats, als wär’ es Federvieh.“

Musikalisch zeigen sich die Macher der CD experimentierfreudig: Computer-Digital- Samples treffen klassische Instrumente, mal wird ein Refrain mit Alltags-Sound unterstrichen, mal wird er nur herausgehaucht und mal ist der Song einfach nur ohrwurmtauglich, wie beim vielleicht stärksten Track „Wohin“. Das alles passiert, ohne dabei den von Punchlines gepflasterten Weg zu verlassen, auf dem der wortgewaltige Einzelkämpfer Sokom wandelt. Ein Weg nach oben.

Text: Felix Holm

Sokom
Frischer Wind
www.sokom.de