Ich habe immer ein wenig Hemmungen, mich über Amerika lustig zu machen. Aus humoristischer Sicht ist ein Witz über die USA wie ein Witz über Esoterik–Jünger: Garantiert richtig, aber immer auch ein wenig abgeschmackt. Zugleich denke ich wie ein Fußballer und sage mir: Wenn mir die USA namens und in Vollmacht ihres Präsidenten nun den Ball auf die Ziellinie legen, muss ich ihn verwandeln. Die Obama-Regierung soll also die großen Internetgiganten Microsoft, Google, Apple, Skype und Yahoo ausspioniert haben. Bislang war nur bekannt, dass er ganz gerne mal Journalisten beim Telefonieren belauscht, aber dass er sich auch fürs digitale Prekariat der Umweltverschmutzer vom Schlage LOL und ROFL interessiert, ist neu. Auch, dass der durchschnittliche Datenautobahnverstopfer eine Bedrohung für die Weltmacht USA darstellt, erscheint ungewöhnlich. Als Microsoft-Nutzer dürfte die größte Bedrohung immer noch in den hauseigenen Sicherheitslücken bestehen.

Obama, der einst als moderater linker Präsident gestartet ist, hat sich entgegen allen „George W. Obama“-Unterstellungen der Feinde endgültig selbst links überholt. Er hat direkt bei der STASI gelernt. Bislang hat nur Apple reagiert und dementiert: „Keine Regierung bekommt Zugang zu unseren Rechnern“, heißt es da. Apple hat den Schmu auch nicht nötig, die haben ihr eigenes Überwachungssystem: das iPhone. Insofern ist Obama ein lernfreudiger Linker: Google und Co., die größten Zensurbehörden des Landes, sind ihm eine Quelle der Inspiration. Getreu dem Motto: If you can‘t beat them, zapf them.

Was können nun wir Deutschen tun? Auch in dieser schweren Stunde des Präsidenten stehen wir naturgemäß in bedingungsloser Solidarität an der Seite der USA. Wir haben aus Ramstein US-Drohnen gen Afrika gesteuert, und die USA wollten de Maizières Euro-Hawk von Kalifornien aus lenken. Bei der Bahn nennt man das umgekehrte Wagenreihung, in der Politik: Freundschaft. Wer Apple und Facebook und Co. aus Sicherheitsgründen ausspioniert, der braucht auch effiziente Terrorbekämpfer. Vielleicht stellen wir den Amis die Überreste der NSU zur Terrorbekämpfung zur Verfügung. Sie erlegen offline, was online gejagt wurde.

Florian_Schroeder
Das hilft auch uns Deutschen beim Sparen: Keine teuren Prozesse mehr, nie wieder Lotto in Münchener Gerichten. O‘zapft is!

Florian Schroeder, Kabarettist, studierte in Freiburg, lebt in Berlin und vergibt die chilli-Schote am goldenen Band.

Foto: privat