Einen Cappuccino in der Sonne schlürfen, ein Glas Wein unter dem Sternenhimmel genießen – nicht in jeder Freiburger Gaststätte ist das möglich. Während viele Cafés und Restaurants in den Sommermonaten ohne ihre Frischluft-Sitzplätze nicht überleben könnten, versucht die Stadtverwaltung deren Zahl einzudämmen. Schließlich müssen Rettungs- und Fußwege frei bleiben und auch das Ambiente der Innenstadt soll nicht unter zu vielen Sitzflächen leiden. Doch manchmal treiben die Regelungen merkwürdige Blüten. Etwa, wenn ein barrierefreier Weg frei bleiben muss, den kein Rollstuhlfahrer erreichen kann.

 

Eine Reihe weniger: Die neue Regelung der Fluchtwege kostet das Hotel Rappen einiges.

 

Wer vor der Bar Elizabeth steht, sieht es rechts und links: Kopfsteinpflaster. Auf dem Augustinerplatz erstreckt es sich. In der Gerberau auch. Direkt vorm Eingang finden sich kleinere Plättchen. Sie bilden einen barrierefreien Weg, den man auch mit dem Rollstuhl gut befahren könnte. Nur: Kein Rollstuhlfahrer hat die Möglichkeit, diesen Weg überhaupt zu erreichen.

 

Für einen ist das besonders ärgerlich: Michael Matzkeit würde hier gerne Tische vor seiner Bar aufstellen. Doch die werden nicht genehmigt. „Freiburg will hin zu einer barrierefreien Innenstadt“, erklärt der Gastronom. „Das ist ja auch okay – nur an dieser Stelle macht es einfach keinen Sinn.“

 

Schon bei seiner anderen Bar, dem Monkey Garden in der Grünwälderstraße, sei der Kampf um die Tische an der frischen Luft langwierig gewesen. Ein Jahr, viel Überzeugungsarbeit und Vitamin B habe es ihn gekostet, bis die Außenfläche genehmigt wurde. Das Problem: Die Tische stehen nicht direkt vor dem Eingang, sondern ein paar Meter versetzt. „Ohne diese Flä­che hätten wir das Monkey Garden dichtmachen müssen“, ist sich Matzkeit sicher.

 

Auch Großgastronom Toni Schlegel bemängelt die fehlende Flexibilität: „Ich halte es für eine Fehlentwicklung, dass die Außenflächen nicht mehr rechts und links oder gegenüber von einer Gaststätte sein dürfen – diese Flächen könnten die Innenstadt beleben.“

 

Denn für die Genehmigung von Sitzplätzen gibt es in der Innenstadt strenge Regeln: So dürfen die Tische nur noch direkt vor dem Lokal stehen, die Fläche darf nicht größer sein als der Innenraum, das Gestell der Tische und Stühle muss aus Holz oder Metall sein … Zudem gibt es einige Plätze wie Münster-, Augustiner- oder Rathausplatz, auf dem gar keine neuen Flächen mehr genehmigt werden.

 

Auf dem Münsterplatz mussten in diesem Jahr sogar Tische abgebaut werden: Grund ist eine neue Ordnung der Flucht- und Rettungswege. Zwischen dem Markt und den Sitzplätzen der umliegenden Gasthäuser müssen nun fünf Meter Platz bleiben. Für Rappen-Gas­tronom Nino Ebner heißt das: eine Rei­he Tische weniger und der Kauf neuer Sonnenschirme. Die Schirme haben ihn 25.000 Euro gekostet, der Wegfall der Tische summiere sich auf mehrere tausend Euro im Monat. Kosten, die er nicht einsieht: „Wenn man den Markt anders positionieren würde, hätte man das auch hinbekommen.“

 

Der Unmut der Marktbetreiber oder der Gastronomen – allen recht machen wird es das Amt für öffentliche Ordnung wohl nie. Manchmal hagelt es auch ganz ungerechtfertigt Schelte. So empört sich eine Gastronomin im Stühlinger, dass sie im Gegensatz zu ihren Nachbarn draußen keine Tische aufstellen dürfe – auf chilli-Anfrage stellte sich heraus, dass sie nie einen offiziellen Antrag gestellt hat.

 

Tatsächlich ist der Unmut unter den Gas­tronomen deshalb so groß, weil sich ohne Außenflächen im Sommer oft kaum Umsätze machen lassen. Da tun auch die 51,80 Euro nicht weh, die die Stadt für den Quadratmeter in der Innenstadt als ­„Sondernutzungsgebühren“ verlangt.

 

„Noch ist die Situation nicht kritisch“, sagt Matzkeit über das Elizabeth. Über den warmen Sommer in diesem Jahr kann er sich trotzdem nicht freuen: „Oft werden wir uns sieben Wochen am Stück mit über 30 Grad nicht leisten können.“

 

Text: Tanja Bruckert / Foto: © Hotel Rappen