Neues Portal zur Studienplatzvergabe läuft chaotisch an –
die Freiburger Uni macht trotzdem mit


Das Chaos ist vorprogrammiert: Von rund 400 deutschen Hochschulen beteiligen sich nur 17 an einem neuen bundesweiten Einschreibeportal. Durch das „Dialogorientierte Serviceverfahren“ (DOSV) hätten sich Studierende nur noch einmal online für verschiedene Hochschulen bewerben müssen. Weil fast jede Uni ihre eigene Software verwendet, geht es mit dem DOSV jedoch kaum voran. Die Uni Freiburg macht trotzdem mit – vorerst aber nur mit einem Fach.

Gerhard Schneider: „Wie soll das ein Computer darstellen?“

 

Das Grundproblem ist alt: Weil Abiturienten ein bestimmtes Fach studieren möchten, gehen sie auf Nummer sicher und bewerben sich an mehreren Hochschulen. Haben sie einen Studienplatz ergattert, ziehen sie die anderen Bewerbungen aber oft gar nicht oder zu spät zurück. Jedes Jahr bleiben deshalb Tausende von Studienplätzen unbesetzt, obwohl sich andere nach ihnen sehnen.

Um Abhilfe zu schaffen, hat die Bundesregierung nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Euro in die Entwicklung eines neuen Internetportals gesteckt. Das DOSV funktioniert so: Angehende Studierende wählen über die Internetseite Hochschulstart.de aus, was und wo sie am liebsten studieren wollen. Das System teilt dann automatisch zu – im Grunde nichts anderes als die Zentrale Vergabestelle (ZVS), die vor sieben Jahren abgeschafft wurde.

Das Problem beim neuen System: Statt weniger herrscht nun noch mehr Chaos. Denn das DOSV-Prinzip funktioniert nur, wenn alle mitmachen. Weil aber fast jede Hochschule eine andere Software verwendet und selbst namensgleiche Studiengänge oft völlig andere Schwerpunkte setzen, verkommt das DOSV zum digitalen Rohrkrepierer. Nur 17 von mehr als 400 Hochschulen machen mit.

Die Freiburger Uni will es zumindest probieren. Mit einem Studiengang (Psychologie), der in diesem Wintersemester über DOSV vergeben wird, lässt sie es langsam angehen. „Wenn wir gleich am Anfang alle Fächer genommen hätten, wäre das Risiko riesig gewesen“, erklärt Rechenzentrumsleiter Gerhard Schneider das zögerliche Vorgehen. „Erstaulich gut“ laufe das System bis jetzt, obwohl es ganz automatisch nicht geht. „Da war viel Handarbeit nötig.“ Rund 4000 Bewerbungen sind in der Bewerbungsphase bis Mitte Juli eingegangen. 100 Plätze wurden vergeben. „Manche haben sich zusätzlich zum Portal noch separat einzeln beworben“, seufzt Schneider. „Die haben wir dann abgefangen.“ 40.000 Euro Aufwandsentschädigung bekommt die Uni für den Mehraufwand im Programmieren. So könne man ein Jahr lang eine Stelle finanzieren, sagt Schneider.

Der Informatiker glaubt, dass langfristig bis zu einem Drittel aller Studiengänge über das DOSV abgewickelt werden kann – mehr aber nicht. Verantwortlich dafür seien die unterschiedlichen Schwerpunkte, die Hochschulen in ihren einzelnen Fächern setzten. „Wie soll das ein Computer darstellen“, fragt Schneider, der die Euphorie von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) nicht teilt: „Erst sollten die Universitäten sich jahrelang im Wettbewerb profilieren, nun wird wieder der Zentralismus gepredigt. Das kann doch nicht funktionieren.“ Neben dem politischen Aspekt hält er auch die praktische Umsetzung des neuen Verfahrens für schlichtweg unrealistisch: „Man wird nie alle Studienplätze besetzen können. Das ist wie im Kino. Da bleiben auch immer Sitze leer.“

Text & Foto: Steve Przybilla

Wie bewerben?
Studienanfänger haben ab sofort zwei Möglichkeiten, sich zu bewerben:
Internet: Die Fächer, die an einen Numerus clausus gekoppelt sind (Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin, Pharmazie) werden über www.hochschulstart.de abgewickelt. Ebenfalls darüber läuft die Bewerbung bei 17 Hochschulen, die beim zentralen Vergabesystem mitmachen.
Direktbewerbung: Für alle anderen Fächer muss man sich direkt bei der jeweiligen Uni bewerben. Das kann auch bei Unis zutreffen, die bei DOSV mitmachen, weil längst nicht alle Fächer ins System eingebunden sind. Doppelbewerbungen sind also nicht immer vermeidbar.
Infos: Über die kostenpflichtige Hotline (9 Cent/Minute) 0180/31224 oder über service@hochschulstart.de