Es sind 4349 Unterschriften, die die Bürgerinitiative pro Seepark (BIPS) Mitte September Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon (Grüne) übergeben hatten. Dabei geht es nicht um den Zubau des einstigen Landesgartenschau-Geländes, sondern ums Aufstellen von sechs Flutlichtmasten. Auch dagegen gründet sich in Freiburg schon mal eine Bürgerinitiative. Ursprünglich sollten die sechs 16 Meter hohen und 96.000 Euro teuren Masten das Stadion schon im vergangenen Jahr beleuchten. Aber die Protestflut der Anlieger und die Erarbeitung eines Lärmgutachtens verzögerten die Sache und es ist auch heute, ein Jahr später, immer noch unklar, ob es zum Bau kommt.

Am Flückigersee picknickt eine Familie im Sonnenschein. Radler klingeln und überholen geschwätzige Jogger, die ihrerseits spielenden Kindern ausweichen. Mitten hinein in die idyllische Szene fliegt plötzlich ein Ball über den Zaun des anliegenden Seeparkstadions auf die spielenden Kids zu. Keines wird getroffen, aber erschrocken stehen sie kurz wie angewurzelt da. Ähnlich muss es manchen Seeparkanwohnern ergangen sein, als sie im Juni 2011 die Botschaft des geplanten Flutlichtbaus zu Freiburg erreichte. „Es kann nicht sein, dass alles hierher zu uns kommt. Die Schule soll dort Sport betreiben, aber nicht halb Freiburg“, kritisierte der Vorsitzende des Bürgervereins Mooswald, Horst Bergamelli, auf der Hauptversammlung im vergangenen April. „Wir sind nicht an ein Fußballstadion gezogen, sondern an eine Schulsportanlage“, sagt Martina Waldmann, Anwältin, direkte Anwohnerin und Sprecherin der Initiative.


Mit der Übergabe der Unterschriftenlisten erreichten die Anwohnerproteste ihren vorläufigen Höhepunkt. Oliver Tappe, einer der Sprecher der Initiative, listet im Gespräch mit dem chilli die Gründe des Protests auf: Mit dem Flutlicht kämen mehr Lärm und Ligaspiele an den Seepark, Chaos beim Parken von Autos und Lichtverschmutzung. „Im Seeparkgelände gibt es noch einen Sternenhimmel, mit Flutlicht sieht man keinen Stern mehr“, sagt Tappe. Die BIPS hat übrigens eine durchaus interessante Homepage www.proseepark.de erarbeitet. Wer sich im Internet auf die Suche macht nach ähnlich gelagerten Streitfällen ums Licht, findet neben dem Seepark nicht viel. 2004 gab es wegen Lichtmasten im Karl-Liebknecht-Stadion mal Stress im Postdamer Stadtteil Babelsberg. Ansonsten scheinen Flutlichtmasten kein explosives Erregungspotential zu haben.

Herbert Mayer, Leiter des städtischen Sportreferats, will sich zur Kritik nur begrenzt äußern. Erst muss er die Zuständigen in der Politik über den aktuellen Stand der Dinge informieren, damit diese sich eine Meinung bilden können. Die beraten zunächst nicht-öffentlich im Sportausschuss (24.Oktober) und Hauptausschuss (12. November), bevor es am 20. November im Gemeinderat zu einer Entscheidung kommen soll. Mayer hofft auf den Bau der Flutlichter. Städtische Sportflächen sind rar. Neue zu bauen, verschlingt meist Millionen. „Man kann durchaus aus den sommerlichen Erfahrungswerten am Seeparkstadion darauf schließen, dass eine dementsprechende Nutzung auch im Winter sinnvoll und notwendig ist.“ Eine Prognose wagt Mayer nicht, er sei aber zuversichtlich.

Text & Foto: Frederik Skorzinski